Ohne Gurt drohen schwere Verletzungen

Die Anschnallquote liegt in Deutschland bei mehr als 97 Prozent. Wie drastisch die Folgen eines Unfalls ohne Gurt sein können, wollte der ADAC mit einem aktuellen Crashtest demonstrieren

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München, 29. Oktober 2012 – Für die meisten Autofahrer gehört der Griff zum Gurt zum festen Ritual vor dem Losfahren, wie es sich eben gehört. Die Anschnallquote liegt in Deutschland bei immerhin 97,4 Prozent, wie eine Untersuchung des DEKRA im Mai 2012 ergab. Jene 2,6 Prozent, die ohne angelegten Sicherheitsgurt fahren, droht nicht nur ein Bußgeld von aktuell 30 Euro, sondern schon bei geringen Geschwindigkeiten die Gefahr von schweren Verletzungen. Wie drastisch diese sein können, wollte der ADAC mit einem Crashtest demonstrieren.

Die Crashtests wurden mit 64 und 30 km/h durchgeführt. Bei Tempo 64 bieten moderne Autos gute Sicherheit – sofern man den Gurt angelegt hat. Airbag, Gurt, Kopfstütze und Entwicklungen wie Pedale, die sich im Fall der Fälle zurückziehen statt in den Fußraum zu schnellen, helfen, wenn Assistenzsysteme den Unfall nicht mehr vermeiden können. Der Gurt spielt dabei trotz seines Alters eine wichtige Rolle. Nur in Verbindung mit ihm kann der Airbag optimal wirken, wie auch der aktuelle Test des ADAC zeigt. Ohne Gurt sind lebensgefährliche Verletzungen an Kopf und Brust sowie eine dauerhafte Schädigungen der unteren Extremitäten sehr wahrscheinlich, so der Club in seiner Auswertung.

Ohne Gurt drohen schwere Verletzungen (6 Bilder)

Unangeschnallt riskieren Fahrzeuginsassen selbst bei einem Crash mit 30 km/h ihr Leben.

Auch die Folgen bei einem Crash mit 30 km/h sind nicht zu unterschätzen. Mit Gurt ist das Verletzungsrisiko bei diesem Tempo sehr gering. Oft löst nicht einmal der Airbag aus. Das heißt im Umkehrschluss, Kopfstützen und Gurt sind die einzigen Sicherheitselemente, die Passagiere schützen. Im Crashtest ohne Gurt schlug der Dummy mit dem Knie heftig gegen das Armaturenbrett. Die Brust traf auf das Lenkrad, der Kopf gegen die Scheibe. Von der Vorstellung, sich möglicherweise selbst abfangen zu können, kann man sich getrost verabschieden: Ein Crash bei diesem Tempo entspricht einem Sturz aus vier Metern Höhe, so der ADAC.

Ebenso wichtig ist die Absicherung der hinteren Passagiere, auch im Interesse der vorne Sitzenden. Ein nicht angeschnallter Mitfahrer im Fond wird schon bei vergleichsweise geringen Geschwindigkeiten zu einem Geschoss, was keine Rückenlehne aufhalten kann. In einem früheren Test des ADAC schlug der Fondinsasse mit solcher Wucht in die Lehne des Vordersitzes, dass der Schlag kaum abgefedert an den Vordermann abgegeben wurde. Der Airbag, der für so einen Fall nicht ausgelegt ist, platzte. Dabei sind mindestens schwerste Verletzungen zu erwarten, die Wahrscheinlichkeit, dass beide zu Tode kommen steigt natürlich mit zunehmendem Tempo und mehr Gewicht des Hintermanns. Welche Sitze für Kinder empfehlenswert sind, haben wir hier zusammengestellt.

Der Test zeigt, dass Airbags allein den Fahrer nicht retten können. Erst das Zusammenspiel von Kopfstützen, Sicherheitsgurten und Airbags kann die Folgen eines Unfalls abmildern. Umso unverständlicher, dass noch immer mehr als zwei Prozent der Autofahrer keinen Gurt anlegen. Auch die Autohersteller haben noch Potential zur Verbesserung. Noch immer gibt es Modelle, bei denen sich die Kopfstützen für große Menschen nicht ausreichend hoch einstellen lassen. Die Empfehlung des ADAC lautet, die Kopfstütze so weit herauszuziehen, dass deren Oberkante auf Höhe des Scheitels liegt. (mfz)