Israelische Startup-Firma will Opteron-Server beschleunigen

Das israelische Startup-Unternehmen Commex Technologies entwickelt Beschleuniger-Chips für Server mit AMD-Prozessoren.

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  • Andreas Stiller

Das zur israelischen RAD-Gruppe der Brüder Yehuda und Zohar Zisapel gehörende Startup-Unternehmen Commex Technologies entwickelt einen "Server-Chipsatz", der sich für AMD64-Prozessoren eignen soll. Nach Informationen von Globes Online hat die von CEO Tal Horowitz gegründete Firma Commex ein Kooperationsabkommen mit AMD geschlossen, bei dem es um den Einsatz der Bauelemente in künftigen Opteron-Servern geht.

Noch hat die vor zwei Jahren gegründete Commex kein Produkt auf dem Markt, aber immerhin schon einen Namen dafür, nämlich Thunder – und einen Kontrakt mit AMD über die Entwicklung von durchsatzoptimierten, energieeffizienten Chipsätzen. Im Januar 2007 hatte Commex die erfolgreiche Akquise von 8 Millionen US-Dollar Risikokapital unter anderem von den Geldgebern Genesis Partners und Vertex Venture Capital gemeldet.

Damals kündigte Horowitz eine Art Applikationsbeschleuniger an: Die Fundamental Acceleration of Application System Technology (FAAST) soll bestimmte Anwendungen aus den Bereichen Datenbanken, Storage und Streaming Media beschleunigen, und zwar ohne Veränderungen am Code. Speicherzugriffe und Daten-Handling sollen im Zusammenspiel mit Multi-(Core-)Prozessoren optimiert werden (Patent ist angemeldet), wobei die Systeme trotz deutlich höherem Durchsatz im normalen Energierahmen bleiben sollen.

Damit passt die AMD-Commex-Kooperation ins Torrenza-Konzept für (HyperTransport-)Coprozessoren, für das AMD auch mit anderen Partnern wie Raza Microelectronics (RMI), XtremeData, der Uni Mannheim oder etwa der OpenFPGA-Entwicklergemeinde kooperiert.

Ein interessanter Nebenaspekt der AMD-Commex-Kooperation liegt in den Lebensläufen von Commex-CEO Tal Horowitz und des CTO, Dr. Uri Weiser: Beide waren lange Jahre für Intel tätig. Horowitz (nicht zu verwechseln mit Rambus-Gründer Mark Horowitz) war nicht nur für die Entwicklung von x86-Prozessoren zuständig, sondern auch für passende Chipsätze und WLAN-Produkte bei Intel in Haifa. Für Uri Weiser, der auch Vorlesungen an der Technischen Universität Technion hält, ist dort noch seine E-Mail-Adresse bei Intel aufgeführt. Weiser hat selbst am Technion studiert und Anfang der 80er-Jahre in den USA promoviert, später hat er bei National Semiconductor die Entwicklung des NS32532 geleitet. Er ist in der Computerszene sehr gut bekannt, ist er doch Associate Editor des IEEE Micro Magazine, hat in zahlreichen technischen Kommitees mitgearbeitet und etwa Sessions bei ISCA, Hot Chips und anderen Konferenzen geleitet

Weiser war seit 1988 für Intel tätig, insbesondere verantwortete er den MMX-Befehlssatz. Seit 1997 ist er Intel Fellow und war mitverantwortlich für die Leitung des Texas Development Center in Austin. Den Chef dieses Labors, Mark McDermott, hatte Intel übrigens seinerzeit von Motorola geholt (und war dafür von Motorola verklagt worden). Laut seiner Homepage an der Uni Texas ist McDermott heute für die Startup-Firma Coherent Logix tätig. Coherent Logix will zwar noch nichts Konkretes über kommende Produkte verraten, plant aber die "Low-Power, High-Performance Revolution" – möglicherweise also etwas ganz ähnliches wie Commex.

AMD hat bereits angekündigt, ab 2009 wieder eigene Chipsätze für Opteron-Server liefern zu wollen (RD890S/RD870S). Zurzeit sitzen auf Opteron-Serverboards entweder Nvidia-Chipsätze (nForce Professional 2000/3000) oder welche von Broadcom. Der Netzwerk-Spezialist hatte 2001 die Firma ServerWorks übernommen, doch der ServerWorks-Chef Raju Vegesna war bereits 2003 wieder bei Broadcom ausgestiegen und betreibt mittlerweile die Firma ServerEngines. Bei den Server-Chipsätzen musste AMD aber noch weitere Rückschläge einstecken, so wird HyperTransport 3.0 auf vier Links für Multiprozessorsysteme erst 2009 kommen (statt wie erwartet schon mit den K10-Barcelonas).

Den 2004 von PathScale angekündigten HTX-InfiniBand-Adapter mit direktem HyperTransport-Anschluss hat QLogic nach der PathScale-Übernahme offenbar nicht weiterentwickelt: Eine DDR-IB-Version ist nie erschienen, der InfiniPath QHT7140 wird mittlerweile nicht mehr produziert (End of Life, EOL). Vom ebenfalls 2004 von Newisys angekündigten Horus für große Opteron-Multiprozessormaschinen ist bis heute nichts zu sehen, laut AMD-CTO Phil Hester arbeitet aber noch immer eine Firma an dessen Realisierung. (as/c't) / (ciw)