Alternative Löwenzahn

Kautschuk wird knapp, Mineralöl und Stahl werden teuer. Der japanische Reifenhersteller Bridgestone hat nun – nicht nur aus selbstloser Liebe zur Umwelt – einen Reifen entwickelt, der gänzlich aus nachwachsenden Rohstoffen besteht

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München, 29. November 2012 – Unter Umweltreifen verstehen die meisten wohl einen Pneu, der am Auto dank seines geringen Rollwiderstands beim Energiesparen hilft. Weniger gern, wenn überhaupt, denkt man wahrscheinlich daran, dass jeder Reifen – auch ein Energiesparreifen – bereits durch seine Produktion große Mengen an Energie und Rohstoffen verschlingt. Reifen bestehen größtenteils aus Erdöl und Stahl – zwei Komponenten, die sich in den letzten Jahren rasant verteuert haben und deren Produktion und Förderung die Umwelt kräftig belastet. Naturkautschuk ist die dritte wesentliche Komponente. Klingt erst mal fast ein bisschen harmlos, stammt aber aus intensiver Plantagenwirtschaft.

Der japanische Reifenhersteller Bridgestone hat nun – nicht nur aus selbstloser Liebe zur Umwelt – einen Reifen entwickelt, der gänzlich aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Denn der Kautschukbaum (hevea brasiliensis) frisst im Massenanbau für die Reifenproduktion nicht nur ursprünglichen Wald, er steht auch in Konkurrenz zu Ackerflächen und lässt eine ausgelaugte, mit Pestiziden angereicherte Landschaft zurück. Die Anfälligkeit solcher Monokulturen für Krankheiten wie den südamerikanischen Mehltau ist auch eine latente wirtschaftliche Bedrohung: Nur acht Staaten erzeugen fast 90 % des Naturkautschuks, ein Ausbruch der Krankheit beispielsweise in Südostasien würde den weltweiten Kautschukmangel dramatisch verstärken. Die zunehmende Knappheit an diesem Rohstoff resultiert aus der steigenden Nachfrage und einer sinkenden Anzahl von Anbietern.

Alternative Löwenzahn (3 Bilder)

Der Guayule-Strauch könnte dereinst den Kautschukbaum ablösen - oder doch zumindest ergänzen.

Bilder: Bridgestone

Nun ist Kautschuk nicht einfach durch synthetisches Material ersetzbar, auch, wenn man das mangels Rohstoff im ersten und zweiten Weltkrieg im großen Stil in Deutschland und den USA gemacht hat. Der Chemiekonzern I.G. Farben produzierte ab 1935 in Schkopau unter dem Namen Buna Styrol-Butadien-Kautschuk aus heimischer Braunkohle und Wasserstoff aus dem Leunawerk. Man tat das in großem Maßstab, weil man vom kriegswichtigen Naturkautschuk abgeschnitten war. Noch heute wird Buna von Lanxess und Dow Chemicals für einen kleinen Anteil der Gummimischung von Reifen hergestellt, die energieintensive Herstellung in großen Mengen wäre allerdings unwirtschaftlich.