Bitkom: Mehr Computer in die Schulen
Der IT-Industrieverband legt aktuelle Daten zur Informationsgesellschaft vor: Die Bundesrepublik liegt bei der Zahl der installierten PCs unter den größeren Industrieländern noch immer im Mittelfeld.
Ein gemischtes Bild zeichnet der Branchenverband Bitkom in einer Benchmarking-Studie mit aktuellen Daten zur Informationsgesellschaft im internationalen Vergleich. So liegt die Bundesrepublik bei der Zahl der installierten Personal Computer unter den größeren Industrieländern noch immer im Mittelfeld: Auf 100 Einwohner kommen hierzulande 43 PCs, in den USA sind es 84, in Schweden 64 und in der Schweiz 58. Im Vergleich zu den USA sei das "ein Abstand, der fast fünf Jahre ausmacht", erklärte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder am heutigen Donnerstag bei der Vorlage der Studie in Berlin.
Dramatisch ist seiner Ansicht nach vor allem die Situation an den Schulen, wo 100 Schüler im Mittel acht PCs zur Verfügung stehen, während es in den USA 30, in Großbritannien 23 oder in Japan 19 sind. Im Durchschnitt der weltweit größten Industrieländer kommen 16 PCs auf 100 Schüler, doppelt so viele wie in Deutschland. "In deutschen Klassenzimmern stehen weniger Computer als in Mexiko, Ungarn oder Tschechien – das ist ein bildungspolitisches Armutszeugnis", beklagte Rohleder die Situtation und forderte die Bundesregierung auf, gemeinsam mit den für die Schulpolitik zuständigen Bundesländern und Schulträgern so schnell wie möglich Abhilfe zu schaffen. "Hier muss sich dringend etwas ändern".
Ähnlich abgeschlagen liegt die Bundesrepublik im Bitkom-Ländervergleich auch bei der Zahl der Breitbandanschlüsse, die im vergangenen Jahr zwar um 30 Prozent auf insgesamt 10,6 Millionen angestiegen ist, Deutschland jedoch bei der Haushaltsabdeckung mit durchschnittlich 27,1 Breitbandzugängen pro 100 Haushalte weit hinter Südkorea (69,9), Holland (59,1), der Schweiz (50,9) und Japan (47,7) liegt. Gegenüber den Vergleichsländern macht sich nach wie vor der unzureichende Ausbau des TV-Kabelnetzes für Internetzugänge per Kabelmodem bemerkbar – hierzulande entfallen laut Bitkom weniger als ein Prozent der Breitbandzugänge auf das TV-Kabel.
Hinsichtlich des von der Deutschen Telekom geforderten Investitionsschutzes für den geplanten VDSL-Ausbau ihres Zugangsnetzes, mit Hilfe dessen das ehemalige Staatsunternehmen verspricht, das Land in der Breitbandstatistik nach vorn zu bringen, werde sich Bitkom allerdings nicht positionieren, erklärte Rohleder. Der Verband, dessen Präsidium mit T-Com-Chef Walter Raizner und Arcor-Chef Harald Stöber die Hauptkontrahenten in dieser Frage angehören, werde bei der bevorstehenden Änderung des Telekommunikationsgesetzes vielmehr die Vertretung ihrer Interessen den Mitgliedsfirmen selbst überlassen.
Bei der UMTS-Technik sieht die Bitkom-Untersuchung den Durchbruch als geschafft an. Zum Jahreswechsel gab es in Deutschland 2,3 Millionen UMTS-Teilnehmer, zehnmal mehr als im Jahr zuvor. Damit liegt die Bundesrepublik in Europa auf Platz Drei hinter Italien (9,0 Millionen) und Großbritannien (4,7 Millionen); weltweit führt Japan nach den Angaben des Bitkom mit über 22 Millionen UMTS-Teilnehmern die Spitze an. Ein kräftiger Schub sei hierzulande mit dem Start des Highspeed-UMTS zur CeBIT im kommenden Monat zu erwarten, das dank HSDPA bis zu 2 MBit/s Übertragungskapazität biete. "Wir rechnen", meinte Rohleder, "mit 9 Millionen UMTS-Nutzern bis Ende 2006".
Sehr gut positioniert sieht der Verband die Bundesrepublik in dem Marktsegment der RFID-Funketiketten, die zunehmend den Strichcode ersetzen. Im vergangenen Jahr hat allein der Handel bereit 230 Millionen Euro mit RFIDs umgesetzt. "Das ist ein Markt, der im Moment regelrecht explodiert", erklärt der Bitkom-Geschäftsführer die Stimmung in der Branche, die auf diesem Feld ausgezeichnete Wachstumschancen auch im Export sieht. "In den kommenden drei Jahren wird sich das Marktvolumen mehr als verdoppeln". (Richard Sietmann) / (jk)