Nortel will sein Geschäft mit "Hyperconnectivity" ankurbeln
Der gebeutelte Telecom-Ausrüster aus Kanada setzt verstärkt auf die Nachfrage aus Schwellenländern zum Beispiel nach Wimax-Infrastruktur. Bandbreitenhungrige Unified-Communications-Dienste sollen das Infrastrukturgeschäft revitalisieren.
Zuletzt eingedämmte Verluste bei allerdings geringeren Umsätzen, massiver Stellenabbau und Anklagen gegen ehemalige Top-Manager wegen wiederholten Bilanzbetrugs waren die Themen, mit denen der kanadische Telecom- und IT-Infrastrukturausrüster Nortel wiederholt in die Schlagzeilen geriet. Mit Hyperconnectivity will der vor zwei Jahren auf den Nortel-Chefsessel berufene Mike S. Zafirovski, ehemals Präsident und COO beim US-Handyhersteller Motorola, das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs bringen. Hierzu zählt auch die Mitte 2006 ausgerufene Allianz mit Microsoft für "innovative Kommunikation".
Während die Kunden noch auf konkrete, zu Jahresbeginn angekündigte innovative Kommunikationsprodukte warten müssen, verstärkt Nortel seine Werbeaktivitäten in Schwellenländern wie Mexiko. Wie sich die "Komplexität der Hyperkommunikation in Marktchancen" umwandeln lasse und wie Schwellenländer dank drahtloser Breitbandzugänge gar eine Kommunikationsinfrastruktur aufbauen könnten, die moderner sei als die mancher entwickelter Märkte, waren die Themen, die Nortels Chief Information Officer (CIO), Steven Bandrowczak, den Besuchern des "Hyperconnectivity Day" nahebringen wollte, den die Kanadier in Mexico City ausrichteten.
Gemeinsam mit den Technologie-Partnern Microsoft, IBM, LG und dem mexikanischen Carrier Telmex warb Bandrowczak für drahtlose Zugänge auf Basis von Wimax oder Mobilfunk der vierten Generation (4G). Während in den USA der großflächige Ausbau von Wimax als DSL-Alternative begonnen hat, ist 4G-Mobilfunk, auch als Long Term Evolution (LTE) bekannt, noch Jahre von der Marktreife entfernt.
Offensichtlich versucht Nortel mit seinen Marketing-Anstrengungen rund um Unified Communications seine Zukunft als unabhängiges Unternehmen zu retten: Hinter den großen Drei im Telecom-Infrastrukturgeschäft – der durch Zukäufen gewachsenen Ericsson und den aus Fusionen hervorgegangenen Nokia Siemens Networks und Alcatel-Lucent – rangiert Nortel bislang auf Platz vier, allerdings mit weitem Abstand. Erschwerdend hinzu kommt, dass Nortel seine UMTS-Abteilung Ende 2006 an den Konkurrenten Alcatel-Lucent verkauft hat und folglich nicht mehr an der laufenden Aufrüstung der 3G-Netze mit HSPA partizipiert.
Außerdem müssen sich die Kanadier neuer Konkurrenz wie der aufstrebenden chinesischen Huawei, die verstärkt im europäischen Mobilfunk-Geschäft Fuß fasst, ebenso erwehren wie des Netzwerkgiganten Cisco, der gleichfalls beabsichtigt, an bandbreitenhungrigen Diensten wie Videokonferenzen im Unternehmenseinsatz zu verdienen. Cisco hat zudem kürzlich eine "neue Ära der Zusammenarbeit" mit Microsoft in Sachen Unified Communicaions verkündet. (ssu)