Abschied vom Biodiesel: Steuerprivileg ist 2012 ausgelaufen
Biodiesel (B100) und reines Pflanzenöl sind mit dem Ende 2012 vom Kraftstoffmarkt verschwunden, da die bisher bestehende Steuererleichterung seit dem 1.1.2013 nicht mehr gilt. Die Energiesteuer auf einen Liter reinen Biodiesel und Pflanzenöl ist 2013 von rund 18 Cent auf 45 Cent gestiegen
Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie e.V. (VDB) meldet: "Reiner Biodiesel (B100) und reines Pflanzenöl sind mit dem Ende des Jahres 2012 vom Kraftstoffmarkt verschwunden, da die bisher für sie bestehende Steuererleichterung seit dem 1.1.2013 nicht mehr gilt. Die Energiesteuer auf einen Liter reinen Biodiesel und Pflanzenöl ist seit dem Jahreswechsel auf 45 Cent gestiegen. Beide Kraftstoffe werden in der Folge deutlich teurer als fossiler Dieselkraftstoff und sind am Markt nicht mehr wettbewerbsfähig".
(Bild: VDB)
Damit stehe dem Verbraucher eine wichtige Alternative zu fossilen Kraftstoffen nicht mehr zur Verfügung, und die Preisgestaltung für Diesel bleibe ausschließlich der Mineralölwirtschaft überlassen. Elmar Baumann, Geschäftsführer des VDB findet "unverständlich, weshalb die Bundesregierung einerseits hohe Kraftstoffpreise beklagt, andererseits aber durch ihre Politik die einzigen Wettbewerber von fossilem Diesel aus dem Markt drängt. Dadurch schützt die Bundesregierung internationale Ölkonzerne vor Produkten der heimischen, mittelständischen Industrie".
Die Wiederbelebung des Marktes für Reinkraftstoffe sei zwar im Koalitionsvertrag verankert, die Bundesregierung habe gleichwohl keine Maßnahmen ergriffen, um ihr Versprechen einzulösen und den völligen Kollaps des Marktes zu verhindern. Die jetzt erhobene Energiesteuer von 45 Cent pro Liter Biodiesel entspricht in ihrer Höhe der Besteuerung von fossilem Dieselkraftstoff.
Der VDB rechnet vor: "Schon in den vergangenen Jahren ist der Markt für B100 aufgrund einer steigenden Besteuerung stark geschrumpft. Während im Jahr 2006 rund 1,9 Millionen Tonnen B100 in Deutschland abgesetzt wurden, sind im Jahr 2012 nur noch etwa 100.000 Tonnen in den Markt gekommen. Firmenpleiten waren die Folge. Im Jahr 2007 hatte Biodiesel einen Anteil von etwa zwölf Prozent am deutschen Dieselkraftstoffmarkt. B100 wurde insbesondere von Speditionsunternehmen getankt".
Dass die meisten Autofahrer B100 nicht mehr tanken konnten oder wollten, weil viele moderne Common-Rail-Dieselmotoren den puren Pflanzensprit nicht mehr vertragen, ist bei dieser Marktschrumpfung allerdings wohl mitentscheidend. Ebenso wie die "Tank-oder-Teller"-Diskussion oder Untersuchungen, die eine Reduktion der CO2-Belastung durch Biodiesel anzweifelten und zuletzt die vermutete Verbindung von Biodieselproduktion und Landgrabbing in der Dritten Welt. Biodiesel hatte in den letzten Jahren wahrlich keine besonders gute Presse beim Verbraucher.
Reines Pflanzenöl spielte dagegen bis zuletzt in der Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Der VDB schreibt: "Beide Produkte wurden in regionalen Kreisläufen hergestellt und verwendet, was die Wertschöpfung hierzulande stärkte" und zieht das Fazit: "Für die deutschen Produzenten von Biodiesel bleibt jetzt nur noch die Möglichkeit, ihre Produkte an Mineralölkonzerne zu verkaufen, die sie fossilem Dieselkraftstoff zu bis zu sieben Prozent beimischen". (fpi)