Garmin will die Cockpits der Autos erobern
Garmin ist vielen vor allem als Anbieter von Mobilnavis bekannt. Nun wollen sie komplette digitale Instrumententafeln für die Automobilhersteller entwickeln. Es wäre der erste Navi-Hersteller, dem dies gelingt
- Gernot Goppelt
München, 10. Januar 2013 – Bislang ist Garmin in erster Linie als Anbieter von mobilen Navigationslösungen aufgefallen, in diesem Bereich ist das Unternehmen Marktführer. Das Geschäft ist allerdings schwierig geworden, denn Mobilnavis im Auto werden zunehmend von navigierenden Smartphones ersetzt. Nun hat das Unternehmen auf der CES eine Lösung für eine Instrumententafel im Auto vorgestellt, die sämtliche Anzeigefunktionen funktional integriert. Es ist auch der Versuch, groß mit den Automobilherstellern ins Geschäft zu kommen.
Alles von Garmin
Sollte Garmin mit seiner Lösung Automobilhersteller überzeugen können, heißt das: Anzeigeelemente unterschiedlicher Anbieter in einem Fahrzeug wären passé, sämtliche Informationselemente im Cockpit kämen von einem Anbieter – nämlich Garmin. Vorstellbar ist das, denn der Trend, klassische Instrumente durch virtuelle Instrumente auf Displays zu ersetzen, ist nicht neu. Noch ist es bisher allerdings meist so, dass vor den Displays eine klassische Fassade sitzt. Mit einer Blende und dem ein oder anderen Chromring lässt sich wunderbar kaschieren, dass man eigentlich auf ein dahinter liegendes LCD schaut.
Garmin will die Cockpits der Autos erobern (3 Bilder)

Hier dreht sich gar nichts mehr mechanisch: Garmin würde am liebsten Cockpits komplett digitalisieren.
Vermutlich werden sich die Autohersteller langfristig von diesem Fassadenkonzept verabschieden, weil es auch die Autofahrer irgendwann als Anachronismus empfinden werden. Garmin führt nun sehr konsequent vor, was machbar ist: Die Informations- und Kommunikationsfunktionen im Auto lassen sich praktisch komplett per Software realisieren – und somit auch das Aussehen der Anzeigeelemente. Garmin nennt sein digitales Cockpit K2. Was das Konzept mit dem zweithöchsten Berg der Erde zu tun hat, sei einmal dahin gestellt; vielleicht weiß Garmin ja, dass es nicht einfach ist, die Entscheideretagen der OEMs zu erklimmen.
Digitaler Hub
K2 soll gewissermaßen als digitaler "Hub" fungieren, sämtliche Funktionen des Fahrens und der digitalen Kommunikation sind darin zusammengefasst. Garmin orientiert sich dabei nach eigenen Angaben an seinen Erfahrungen aus dem Luftfahrt- und Marinebereich, will eine ähnlich umfassende Sicherheit und Integration auch für den Automobilbereich bereitstellen. Die Botschaft ist klar: Wir sind dazu in der Lage, Euch eine integrierte softwarebasierte Lösung anzubieten, bei der Ihr Euch auch um die Sicherheit keine Sorgen machen müsst.
Das Exponat auf der CES in Las Vegas besteht aus einem "handschuhfreundlichen" 10-Zoll-Multitouch-Display in der Mitte des Armaturenbretts und einem frei konfigurierbaren 12-Zoll-Display hinter dem Lenkrad. Dort werden außer den üblichen Funktionen wie Tacho etc. auch solche zu Navigation, Kommunikation und Audio dargestellt – und zudem Informationen zur Fahrzeugkonfiguration. Das alles lässt sich auch per Sprache bedienen und zwar mit "natürlichen und alltagssprachlichen Befehlen". Ungewöhnlich sind konfigurierbare "Infrarot-Tasten", die auf Annäherung der Hand reagieren und für den Zugriff auf wichtige Funktionen vorgesehen sind.