Roskosmos: Russische Raumfahrt sieht sich vor Renaissance

Die Weltraumagentur aus dem Sternenstädtchen plant 50 Jahre nach dem Sputnik neue Missionen - zum Mond und auch zum Mars.

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Die Liste der russischen Weltraumerfolge ist lang: Sputnik, der erste künstliche Satellit, und Juri Gagarin, der erste Mensch im All, sind wohl die bekanntesten. Freilich sind fast alle diese russischen Erfolge im All älter als drei Jahrzehnte. Vor allem seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 und der russischen Wirtschaftskrise der 90er-Jahre ist die Raumfahrt im größten Land der Erde nur noch ein Schatten ihrer Vergangenheit.

Zwar verfügt Russland anerkanntermaßen noch immer über die besten Erfahrungen mit Langzeitflügen ins All wie auch beim Bau von Raumstationen, schreibt das Technologiemagazin Technology Review in einer ausführlichen Analyse der aktuellen russischen Pläne. Doch wegen chronischem Geldmangel betrieb Russland seit Ende der 80er-Jahre kaum noch Forschung mit Satelliten und Raumsonden, brach das einst vielversprechende Raumfährenprojekt Buran ab und verschrottete die entgegen ihres schlechten Images recht gut funktionierende Raumstation Mir.

Das soll sich nun ändern – jedenfalls nach Aussagen der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos. Anfang September, einen Monat vor dem heutigen fünfzigjährigen Jubiläum des Sputnik-Fluges, verkündete ihr Leiter Anatolij Perminow Russlands neue Raumfahrtziele. Und die sind durchaus ambitioniert: Der Bau eines neuen Raumschiffes bis 2015 und einer eigenen neuen Raumstation nach dem Ende der ISS, ein bemannter Mondflug bis 2025, eine Mondstation ab 2028 und gar einen Marsflug ab 2035.

Unklar ist bislang allerdings noch die Finanzierung. Noch 2006 und 2007 lag das Budget jeweils unter einer Milliarde US-Dollar – schon die Hälfte davon brauchen die amerikanischen Kollegen der NASA allein für einen einzigen Space-Shuttle-Flug. Von solchen Summen, für NASA-Verhältnisse eher Taschengeld, wird Perminow Mond- und Mars-Flüge also nicht verwirklichen können, zumal der größte Teil des russischen Raumfahrthaushalts für Versorgungs- und Personenflüge zur Internationalen Raumstation reserviert ist. Roskosmos braucht also die Zusammenarbeit mit der freien Wirtschaft – und vor allem mit dem Militär. Spektakuläre Änderungen gab es seit Perminows Amtsantritt vor allem im Personalbereich – mutmaßlich, um die Raumfahrt wieder mehr unter zentrale und militärische Kontrolle zu bringen.

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(bsc)