Neue Saison der deutschen E-Sportliga gestartet
In Frankfurt am Main ging vor 1200 Zuschauern die Bundesliga für die Computerspiele Counter-Strike und Warcraft in eine neue Saison.
Ihr Sportgerät sind Tastatur und Computer-Maus, ihre Disziplinen heißen Counter-Strike und Warcraft: Die sechs Mannschaften der so genannten Bundesliga für Computerspiele sind am Wochenende in Frankfurt am Main in ihre zwölfte Saison gestartet. Selbstbewusst bezeichnen sich Spieler wie der Frankfurter Tim Hochgrebe als E-Sportler. "Auch hier geht es um Teamgeist, Taktik und Sekunden", sagte der 24-Jährige gegenüber dpa. 1200 Fans sorgten im Kongresszentrum für so etwas wie Stadion-Atmosphäre. Mitjubeln durften wegen der Altersfreigabe der umstrittenen Spiele Counter-Strike und Warcraft 3 allerdings nur Zuschauer über 16 Jahre.
Die drei Dutzend Bundesliga-Spieler stehen an der Spitze. Darunter befinden sich in zahlreichen Klassen 780.000 Amateure, die im Schnitt 20 Jahre alt sind. Das ist ein großer Markt, weshalb es bei den Profis der Electronic Sports League (ESL) auch um Geld, Sponsoren und Fanartikel geht: Der Veranstalter, die Kölner Turtle-Entertainment GmbH, tourt in zehn Bundesliga-Spieltagen durch die Republik. Beim Finale in Köln werden im Juni 170.000 Euro Preisgeld ausgeschüttet. Hochgrebe finanziert heute sein Studium als Profispieler. Eine Computerfirma aus Gießen unterhält eine eigene Werksmannschaft.
"Es gibt Vereine, Stars und Fans wie in der Fußball-Bundesliga", warb ESL-Sprecher Ibrahim Mazari zum Saisonstart. Im Kongresszentrum saßen die fünf Spieler jeder Mannschaft im Trikot an den Computern auf der Bühne. Die Zuschauer verfolgten den Verlauf über vier Stunden auf einer Großleinwand. Reporter kommentierten live im Internet. Selbst die meist inhaltsleeren Interviews direkt nach Spielende hat sich die Computerliga vom Fußball abgeschaut.
Doch der Veranstalter weiß, seine Disziplinen sind umstrittener als Fußball. Das Spiel Counter-Strike ist nach den Amok-Läufen von Erfurt und Emsdetten in die Diskussion geraten. Bei ihm feuern die Spieler aus dem Blickwinkel eines Schützen. Warcraft gilt Kritikern als Suchtgefahr im Kinderzimmer. "Wir nehmen den Jugendschutz ernst", sagte Mazari. Das Problem seien aber echte Schusswaffen und nicht Spiele. E-Sportler seien sportinteressierte und gesellige Menschen.
Als Antwort auf das Klischee vom sonderbaren Computerspieler gelten der Liga ernsthafte Profis wie Hochgrebe. Der Student war aktiver Hockey-Spieler. Mit Counter-Strike begann er erst vor einigen Jahren. Heute trainiert er mit seiner ESL-Mannschaft bis zu fünf Stunden am Tag. Wie andere Sportler eigene Schuhe oder Schläger haben, tritt beim Computerspiel jeder Profi mit seiner persönlichen Tastatur an.
Die Liga setzt sich dafür ein, dass der Kampf an der Tastatur wie in Südkorea offiziell als Sport anerkannt wird. Bei den Schattenseiten des wahren Sports haben die E-Sportler schon gleichgezogen. In der vergangenen Saison haben sich 10.000 Zuschauer die Endausscheidungen und 4000 Menschen die Finalspiele der ESL Pro in Köln angesehen. Videospiele wurden gerade ins Rahmenprogramm der Olympischen Spiele in Beijing aufgenommen. Als schwerstes Foul gilt das Installieren verbotener Hilfsprogramme. Vergangene Saison wurde ein Spieler der ESL erwischt – und wegen "Dopings" zwei Jahre gesperrt. (dpa) / (jes)