Mutterverlag von Duden & Co. tief im Minus
Tiefrote Zahlen beim Bibliographischen Institut in Mannheim: Das kriselnde Lexika-Geschäft, gescheiterte Online-Projekte und Umstrukturierungen haben 2008 die Verluste auf 32,8 Millionen Euro steigen lassen. Doch das Unternehmen bleibt zuversichtlich.
Tiefrote Zahlen beim traditionsreichen Bibliographischen Institut in Mannheim: Das kriselnde Lexika-Geschäft und Umstrukturierungen haben 2008 die Verluste auf 32,8 Millionen Euro steigen lassen – nachdem der Konzern bereits im Vorjahr ein Minus von 6,5 Millionen eingefahren hatte. Ungeachtet der erneuten Umsatz- und Gewinneinbrüche blickt das Unternehmen, zu dem die Marken Duden und Meyers gehören, zuversichtlich in die Zukunft und will schon im laufenden Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben: Nach dem heftig kritisierten Verkauf der bekannten Brockhaus-Enzyklopädie an Europas größten Medienkonzern Bertelsmann will sich die Gruppe unter ihrem neuen Haupteigentümer Cornelsen (Berlin) auf die Marke Duden konzentrieren. "Das ist unser neues Rennpferd", so Sprecher Klaus Holoch.
Um dafür den Rücken frei zu haben, seien sämtliche Abschreibungen – insbesondere im Zusammenhang mit dem Verkauf von Brockhaus – in die Bilanz 2008 genommen worden. Wesentlichen Anteil daran haben Rückstellungen von etwa 17 Millionen Euro. Mit ihnen soll vor allem der geplante Personalabbau finanziert werden, sagte Holoch und bestätigte einen Bericht des Mannheimer Morgen.
"Wir werden nun die Hausaufgaben machen, die sich durch den Verkauf ergeben", sagte Alexander Bob, Geschäftsführer der Berliner Verlagsgruppe Cornelsen der Deutschen Presse-Agentur dpa. Bertelsmann habe die Marke Brockhaus gekauft – nicht aber deren Mitarbeiter.
Seit dem Umsatz- und Gewinneinbruch im Jahr 2007 hat die Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG (Bifab) Personalabbau und Umstrukturierungen in Angriff genommen. Im Juli 2008 einigten sich Betriebsrat und Management auf den sozialverträglichen Abbau von 40 Stellen. Nun stehen auch betriebsbedingte Kündigungen an. Die Gespräche dazu laufen seit Monaten, ein Verfahren beim Arbeitsgericht Mannheim ruht zunächst.
"Ich gehe davon aus, dass wir in den kommenden 14 Tagen wissen, ob wir eine Einigung erzielen konnten", sagte Bob. Offen ist nach wie vor, wie viele Mitarbeiter gehen sollen. Der Betriebsrat sieht jede dritte Stelle am Standort Mannheim gefährdet. Dort arbeiten derzeit etwa 210 Mitarbeiter, bundesweit sind es rund 400.
Mit dem neuen Eigentümer Cornelsen, der auf dem Schulbuch- und Bildungssektor führend ist, soll das Kapitel Brockhaus beendet werden. Die Entwicklung der Online-Ausgabe der Enzyklopädie hat den Mannheimer Verlag Kraft und Geld gekostet – ohne auf den Markt zu kommen. Zudem gab es öffentliche Schelte für Pläne, keine gedruckte Fassung mehr anzubieten – so dass diese wieder aufgegeben wurden.
Sichtbar werden soll das neue Kapitel auch im Namen des Konzerns: Bei der Hauptversammlung am 22. Juli in Mannheim soll als neuer Name "Bibliographisches Institut" beschlossen werden. "Die emotionale Lösung von Brockhaus wird wohl noch eine ganze Zeit brauchen", räumte Bob ein. Gleichwohl solle aber eine Zäsur deutlich werden – um die Chancen, die in der neuen Zusammenarbeit des Mannheimer Verlages und der Berliner Gruppe steckten, auszuschöpfen.
Cornelsen besitzt seit Mai rund 90 Prozent der Aktien der Bifab, nachdem sich die Langenscheidt KG (München) und die Familie Brockhaus zeitgleich von ihren Anteilen getrennt hatten. Die Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben rund 2700 Mitarbeiter und hat einen Umsatz von mehr als 300 Millionen Euro. (Marion van der Kraats, dpa) / (pmz)