[Update] Viele Bochumer Opel-Mitarbeiter wollen neu über Sanierungsplan abstimmen
Weil die Belegschaft des Bochumer Opelwerks den Kompromiss zwischen Gewerkschaft und Opel über einen Sanierungsplan abgelehnt hat, soll dort Ende 2014 die Autoproduktion auslaufen. Nun wünschen sich viele eine neue Abstimmung, möglicherweise zu spät
Weil die Belegschaft des Bochumer Opelwerks den Kompromiss zwischen Gewerkschaft und Adam Opel AG über einen Sanierungsplan mehrheitlich abgelehnt hat, soll Ende 2014 die Autoproduktion in Bochum auslaufen. Wie die Zeitungen der WAZ-Gruppe berichtet haben, scheinen nun eine erhebliche Zahl von Mitarbeitern kalte Füße zu bekommen. Nun wünschen sich viele eine neue Abstimmung. "Viele Beschäftigte haben geglaubt, dass das nicht das letzte Wort ist", sagte ein Sprecher der IG Metall in NRW. Möglicherweise ist es dazu nun aber zu spät.
(Bild: Opel)
Sowohl der Bezirksleiter der IG Metall in NRW, Knut Giesler, als auch ein Opel-Sprecher haben den Eindruck gewonnen, dass viele Bochumer Opelaner die Situation nun anders bewerten. Sie wären mittlerweile bereit, erneut über den Tarifvertrag zu verhandeln. "Sollten sich die Stimmen mehren, werden wir natürlich prüfen, ob und wie Lösungen in der jetzigen Situation noch zu erreichen sind", erklärte Giesler. Ein Bochumer Opel-Sprecher sagte dagegen: "Im Moment sehe ich keine Möglichkeit einer neuen Abstimmung."
Den Mitarbeitern sei klargemacht worden, dass es nach dem Votum keine Verhandlungen mehr geben werde. "Man kann ja nicht so lange abstimmen, bis das gewünschte Ergebnis vorliegt." Am Dienstag würden die Verhandlungen der Einigungsstelle zum Ende der Fertigung unter Vorsitz eines Richters wieder aufgenommen, sagte der Opel-Sprecher. Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel, ein Gegner des Sanierungsplans, war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. (Mit Material der dpa)
[Update 25. April 17:10 Uhr]
Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel trat inzwischen der Kritik entgegen, er habe die Opel-Mitarbeiter vor der Abstimmung nicht ausreichend informiert. "Die Bochumer Belegschaft war die bestinformierte und die einzige, die den Tarifvertrag vollständig vorliegen hatte", sagte Einenkel der dpa. Von Tendenzen in der Belegschaft, die Abstimmung zu wiederholen, wisse er nichts.
In Bochum sollen nach dem Ende der Autoproduktion möglichst viele alternative Industriearbeitsplätze entstehen. "Klar ist: Bochum wird eine Perspektive haben und die Beschäftigten werden eine Perspektive haben", sagte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) in einer Aktuellen Stunde des Landtags. In dem Bochumer Werk sind derzeit noch 3200 Mitarbeiter beschäftigt. Nach heutigem Stand werden ab 2015 nur noch rund 420 Menschen in einem Warenverteilzentrum arbeiten.
Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wies Vorwürfe zurück, sie persönlich habe sich nicht ausreichend für die Opelaner engagiert. Sie nehme ihre persönliche Verantwortung wahr. Aber: "Wir sind nicht die, die die großen Showtermine suchen." Solidarität bedeute, direkt mit der Belegschaft zu sprechen - ohne laufende Kameras. CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann hielt Kraft vor, anders als die Regierungschefs der übrigen Bundesländer mit Opel-Standorten habe sie das Thema nicht zur Chefsache gemacht. Nun müsse sie sich persönlich dafür einsetzen, dass es zu einer verlässlichen Vereinbarung für möglichst viele Arbeitsplätze in Bochum komme. FDP-Fraktionschef Christian Lindner warf Kraft vor, sie trage eine Mitverantwortung für das Nein Opelaner zum Sanierungsplan. Kraft hätte zwischen Management und Belegschaft vermitteln müssen. (dpa) (fpi)