Nachtspeicher, nein danke
Wenn Nachtspeicheröfen mit überschüssigem Ökostrom betrieben werden – wo ist dann das Problem?
Wenn Nachtspeicheröfen mit überschüssigem Ökostrom betrieben werden – wo ist dann das Problem?
Es klingt wie ein Rückfall in die energetische Steinzeit: Die schwarz-gelbe Koalition hat ihr Herz für Nachtspeicheröfen entdeckt. Eigentlich sollten sie ab 2019 verboten werden, nun dürfen sie unbefristet weiterlaufen. Dahinter dürfte der Einfluss von RWE stehen. Der Versorger hat nach eigenen Angaben gerade einen Pilotversuch mit 50 Essener Haushalten erfolgreich abgeschlossen. Dazu wurden keine neuen Nachtspeicher eingebaut, sondern bestehende mit neuer Regeltechnik nachgerüstet. Sie sollen vor allem überschüssigen Ökostrom nutzen. 2011 gingen 407 Gigawattstunden Windstrom verloren, weil sie keinen Abnehmer fanden oder die Netze überlastet waren. Statt Windräder in solchen Fällen abzuschalten, will RWE den Strom lieber in Nachtspeicher speisen. Sollte sich die Umrüstung als wirtschaftlich erweisen, will RWE damit 2014 auf den Markt gehen. EnBW erforscht ebenfalls den Einsatz von Nachtspeicheröfen.
Dass Nachtspeicheröfen spätestens seit den Achtziger verteufelt werden, hat einen guten Grund: Werden sie mit dem normalem Strommix betrieben, gibt es kaum einen ineffizienteren Weg, eine Wohnung warm zu bekommen. Den größten Teil der elektrischen Energie erzeugen schließlich nach wie vor Kraftwerke, die Wärme unter großen Verlusten in Strom umwandeln.
Doch wenn Nachtspeicher überschüssigen Ökostrom nutzen – wo ist dann das Problem? Ganz einfach: Damit ein Energiespeicher tatsächlich das Netz stabilisieren und Stromüberschüsse auffangen kann, müsste er möglichst flexibel reagieren können. Und genau das tun Nachtspeicher nicht. Im Sommer, wenn die Photovoltaik besonders viel Strom einspeist, ist es ohnehin warm, und die Öfen fallen als Puffer weg. Ist es kalt, dann muss Strom her, egal aus welchen Quellen. Im Zweifel verschaffen die E-Öfen also den Kohlekraftwerken von RWE und Konsorten eine bessere Auslastung. Dass der Bundestag deren Pseudo-Umweltargumentation auf den Leim geht, ist schon ein schwaches Bild.
Prinzipiell ist es aber richtig, den Strom- und Wärmemarkt zusammenwachsen zu lassen. In Dänemark etwa gibt es viele Fernwärme-Blockheizkraftwerke. Wenn die Windkraftanlagen viel Strom ins Netz drücken, können die BHKWs nicht einfach abgestellt werden, weil es sonst in den Wohnungen kalt würde. Also werden die Kraftwerkskessel in diesen Fällen mit Windstrom geheizt.
In kleinem Maßstab macht das auch in Deutschland Sinn. Forscher der Uni Regensburg schlagen vor, gut isolierte Warmwasserboiler in Wohnungen mit zusätzlichen Heizpatronen zu versehen und ans Smart Grid anzuschließen. Dann könnte die Anlage tatsächlich flexibel die Lastspitzen des Stromnetzes abfedern und dabei fossile Brennstoffe einsparen. Damit sich das für den Verbraucher lohnt, müsste er aber extrem günstigen Strom beziehen. Solange Steuern und Umlagen den Großteil des Strompreises ausmachen, kann der Wind blasen, wie er will. Aber das sind politische und wirtschaftliche Fragen. Rein technisch gesehen ist Wärmeerzeugung mit Strom keine schlechte Idee. Heizen mit Nachtspeicheröfen schon. (grh)