Daimler: Stellenabbau und Investitionen

Daimler will die Produktion des Transporters Vario in Ludwigsfelde einstellen und etwa jeden zehnten der 2000 Arbeitsplätze im Werk streichen. Zugleich wird im Werk Sindelfingen und in China investiert

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Der Autobauer Daimler will nach Gewerkschaftsangaben die Produktion des Transporters Vario im Werk Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) einstellen und etwa jeden zehnten der 2000 Arbeitsplätze im Werk streichen. Die Stellen sollen bis zum Jahresende abgebaut werden, sagte Hermann von Schuckmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ludwigsfelde, am Dienstag. Arbeitgeber und Betriebsrat hätten eine sozialverträgliche Regelung vereinbart, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Betroffen seien rund 150 Angestellte und 50 Leiharbeiter. Das Brandenburger Wirtschaftsministerium hatte sich ebenfalls eingeschaltet, nachdem im Februar die Pläne von Daimler zum Stellenabbau in Ludwigsfelde bekanntgeworden waren. „Wir sind daran interessiert, dass das Werk weiter hoch ausgelastet wird“, sagte ein Potsdamer Ministeriumssprecher.

Mercedes stellt die Produktion des Vario im brandenburgischen Ludwigsfelde ein.

(Bild: Hersteller)

Ein Unternehmenssprecher bestätigte, dass vom Vario-Produktionsstopp im Mercedes-Benz-Werk Ende September 200 Arbeitsplätze betroffen sind. Möglichst viele Mitarbeiter sollen in die Produktion des Transporters Sprinter am Standort integriert werden, für dessen neues Modell am 1. Juli 2013 Verkaufsstart sei. Anderen Beschäftigten der auslaufenden Vario-Fertigung wolle man Stellen im Unternehmen anbieten. Zudem gebe es Angebote zur Altersteilzeit oder zum freiwilligen Ausscheiden aus dem Unternehmen.

Der Vario spreche nur einen regionalen Kundenkreis an, begründete der Daimler-Sprecher die Entscheidung. Außerdem rechtfertige die Umstellung auf die Abgasnorm Euro 6 keine größere Investition in die Weiterentwicklung des Transporters. Mercedes produziert in Ludwigsfelde weiterhin den Sprinter sowie den fast baugleichen Crafter von Volkswagen. Die Kooperation läuft noch bis 2016. Zurzeit laufen Gespräche über eine Verlängerung, hieß es. Volkswagen produziert den Crafter auch in Düsseldorf.

In Ludwigsfelde läuft auch der VW Crafter vom Band.

(Bild: Hersteller)

Nach der jüngst angekündigten Milliarden-Investition steckt der Autobauer Daimler zusätzlich einen dreistelligen Millionenbetrag in seinen Standort Sindelfingen. Die Summe fließe in ein Technologiezentrum für Fahrzeugsicherheit, so Daimler. In dem Zentrum sollen demnach alternative Antriebe ebenso wie Assistenzsysteme erforscht und entwickelt werden. Erst vergangene Woche hatte Daimler angekündigt, sein größtes Pkw-Werk Sindelfingen 2013 mit einer Milliarde Euro zu stärken. Das geplante Technologiezentrum soll Mitte 2016 fertig werden.

Außerdem will Daimler seine Position auf dem größten Automarkt China weiter stärken. Der Vertrieb soll in dem Riesenreich künftig von einem eigenen Team aus der Stuttgarter Zentrale unterstützt werden. Zudem soll das Händlernetz vor Ort in diesem Jahr um 75 neue Betriebe auf insgesamt mehr als 300 Händler wachsen. Daimler fährt den Oberklasse-Konkurrenten Audi und BMW in China derzeit auch wegen Nachteilen im Vertrieb hinterher – bis 2020 wollen die Schwaben die Rivalen aber überholt haben. Im Mai konnte Daimler in China beim Absatz um 7 Prozent zulegen, seit Jahresbeginn verbuchten die Stuttgarter aber ein Minus von 3,8 Prozent. (dpa)

(mfz)