Fernbus-Unternehmer fürchten ADAC und Post
Gut, dass beide die Kennfarbe "Gelb" haben: ADAC und Deutsche Post starten im November ihr Postbus-Angebot, das neben der Bahn auch neuen privaten Anbietern Paroli bieten soll. Nach spätestens drei Jahren soll die gelbe Passagierflotte Gewinne erzielen
Der gelbe Postbus soll die Konkurrenz auf dem jungen Fernbusmarkt das Fürchten lehren. ADAC und Deutsche Post starten im November ihr Angebot, das neben der Bahn auch neuen privaten Anbietern Paroli bieten soll.
(Bild: ADAC)
Der Autofahrerclub will zusammen mit dem ehemaligen Staatskonzern ab November neue Fernbusverbindungen anbieten. Kampfpreise und Billigangebote wird es aber kaum geben. „Wir wollen die Besten sein, nicht die billigsten“, sagt ADAC-Präsident Peter Meyer. Insgesamt schätzt der ADAC das künftige Marktvolumen auf 400 Millionen Euro. „Und von diesem Kuchen wollen wir uns ein Drittel abschneiden“, sagt Marc Fleischhauer, Leiter der Touristik ADAC. Was Fahrkarten kosten werden, ist allerdings noch offen.
Private Anbieter wie die Münchner FlixBus werben etwa für die Strecke München-Berlin mit Frühbucherpreisen ab 19 Euro, wobei der Normalpreis bei 48 Euro liegt. Zum Vergleich: Eine Fahrt im ICE der Bahn in der 2. Klasse kostet auf dieser Strecke 125 Euro. Seit den 1930er Jahren war es in Deutschland in der Regel nicht erlaubt, parallel zu Schienenverbindungen Fernbuslinien zu betreiben. Seit 1. Januar ist das Geschichte. Seitdem zieht es immer mehr Anbieter auf den Markt, der bisher vor allem - Ironie der Geschichte - von den rund 14.000 Bussen der Deutschen Bahn beherrscht wird.
Noch ist das Geschäft überschaubar. Der Chef des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmen, Wolfgang Steinbrück, schätzt, dass es etwa 160 Fernbuslinien in Deutschland gibt. Doch das reicht, um die Infrastruktur an ihre Grenzen zu bringen. In einigen Städten werde es an den Busbahnhöfen eng, es brauche Investitionen. „Es gibt nicht genügend Haltestellen“, sagt Steinbrück. Das Engagement von ADAC und Deutscher Post - an der noch immer der Staat beteiligt ist - schmeckt ihm aber aus anderen Gründen nicht. „Staatskonzerne haben auf einem freien Wettbewerbsfeld nichts zu suchen“, sagt Steinbrück. „Die Bahn soll sich um ihre Züge kümmern und die Post um ihre Pakete.“
Bereits jetzt leide der Mittelstand unter den niedrigen Preisen. Er fürchte einen Verdrängungswettbewerb. Der Einstieg großer Player könne die Lage für kleinere Unternehmen schwierig machen. „Das ist der Anfang von Monopolstrukturen. Da haben wir als Mittelständler keine Chance.“ ADAC-Präsident Meyer tritt dem entgegen. Man wolle keinen ruinösen Preiskampf und auch keinen Verdrängungswettbewerb. Im Gegenteil setze man auf die Zusammenarbeit mit mittelständischen Busunternehmen, die als Partner gewonnen werden sollten. Mit zehn Firmen seien Verträge geschlossen oder unterschriftsreif. Ab Oktober können im Netz oder bei der Post die ersten Tickets gebucht werden. (Sebastian Raabe, dpa) (fpi)