Die Welt in Vektoren

Ohne Kartenmaterial ist ein Navi so blind wie ein Maulwurf. Wir haben hinter die Kulissen der beiden einzigen Navi-Kartenhersteller Tele Atlas und Navteq geschaut und zeigen, wie mit Messfahrten Karten fĂĽrs Navi erstellt und aktualisiert werden.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 14 Min.
Von
  • Daniel LĂĽders
Inhaltsverzeichnis

Zukünftig sollen die Karten nicht nur möglichst fehlerfrei sein, sondern auch komplette 3D-Landschaften enthalten.

Wohl jeder hat in seinen Navi-Karten schon den einen oder anderen Fehler entdeckt. Straßen waren nicht vorhanden, Einbahnstraßenregelungen galten nicht mehr, die Umgehungsstraße blieb unberücksichtigt. Das kann entweder an falschen Daten oder fehlender Aktualisierung liegen. Beides gehen die Kartenhersteller Tele Atlas und Navteq, deren Produkte in annähernd allen Navis stecken, mit aufwendigen Verfahren an.

Jedes Vierteljahr veröffentlichen die zwei eine neue Deutschlandkarte, wobei jede Version im Vergleich zur vorherigen 15 bis 20 Prozent geänderte Daten enthält – ein ziemlicher Aufwand bei einem Straßennetz von 1,2 Millionen Kilometern. Insgesamt sind aktuell über 70 Länder ganz oder teilweise von den Unternehmen als Vektorkarte erfasst.

Als grobe Grundlage für die Karten dienen zunächst topografische Karten der Vermessungsstellen, Luftbilder, Satelliten-Aufnahmen, historische Stadtpläne, Gebäudeinformationen vom Katasteramt und Adressinformationen. Zusätzlich geben die Verkehrsämter den Kartografen Informationen über Straßenbauvorhaben und Langzeitbaustellen weiter.

Damit das Kartenmaterial die schwachbrüstigen Mobil-Prozessoren in den Navis nicht überfordert und möglichst wenig Speicher einnimmt, verwenden die Kartenhersteller statt aufwendig ausgeschmückter 2D- oder gar 3D-Pixelkarten mit hinterlegten Routing-Daten simple Vektorkarten. Jede Straße besteht aus einzelnen Strecken, die mit einem oder mehreren Attributen belegt werden. Dabei kann es sich um Informationen über Art der Straße, Beschilderung, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Straßenbreite oder Verkehrsrichtung handeln. Mehr als 200 verschiedene Attribute stehen zur Auswahl. Vektoren und Attribute fließen in eine riesige Tabelle, die das Navi-System interpretiert und schließlich darstellt. Die Vektorkarte im Display zeigt meist eine Draufsicht oder eine Quasi-3D-Ansicht (gekippt zweidimensional). Wichtige Details wie unübersichtliche Kreuzungen kann das Navi bei Bedarf heran- oder herauszoomen – Vektorkarten lassen sich problemlos ohne viel Rechenaufwand vergrößern oder verkleinern.

Doch diese Daten alleine reichen für die Navigation noch nicht aus. Die digitalen Straßenkarten müssen unbedingt Informationen über die Verkehrsführung und Beschilderung enthalten. Erst dann kann die Navi-Software den Autofahrer sicher zum Ziel führen. Hinzu kommen die Stauinformationen, die das Navigationsgerät während der Fahrt erhält und in die Karte einträgt.

Die Welt in Vektoren (10 Bilder)

Die Welt in Vektoren

Für die Datenerfassung kommen Fahrzeuge (hier Navteq) mit Kameraaufbauten und zusätzlicher Bordelektronik zum Einsatz.

Mit Messfahrzeugen machen sich die Kartografen deshalb auf den Weg, um StraĂźen und Wege genau zu erfassen oder zu aktualisieren. Wir haben beide Unternehmen bei den Messfahrten begleitet.