Die Welt in Vektoren

Seite 2: Navteq

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Das US-Unternehmen Navteq beschäftigt sich seit 1985 mit der Erstellung von digitalem Kartenmaterial und gehört seit 2008 zum Mobilgerätehersteller Nokia. Etwa 2000 Mitarbeiter sind weltweit für das Unternehmen tätig, von denen sich ein Großteil allein mit Datenverarbeitung und Informationserschließung für digitale Karten beschäftigen. In Deutschland rollen 35 Messfahrzeuge als Datensammler-Werkzeuge über die Straßen.

Das GPS-System reicht für die Messdatenerfassung mit seiner Genauigkeit von etwa 10 bis 15 Metern nicht aus. Deshalb arbeitet man mit Differential-GPS. Bei diesem Verfahren wird der mobile GPS-Empfänger mit den Abweichungen eines weiteren stationären GPS-Empfängers zu seiner bekannten Position gefüttert und die Positionsbestimmung damit korrigiert. Die Abweichung beträgt dann je nach Abstand zum fixen Messpunkt nur noch wenige Zentimeter. Die Karte profitiert von dieser gesteigerten Genauigkeit allerdings nur wenig, weil lediglich der Straßenverlauf, nicht aber die Straße selbst mit Breite, Zustand oder Kantstein vermessen wird und es im Endeffekt wieder bei einer Genauigkeit von einigen Metern bleibt, was für die Erschließung der Route aber ausreicht. Den Rest richtet im Navi das Map-Matching. Dabei handelt es sich um einen Algorithmus, der die Positionsangabe im Navi immer auf die nächstgelegene Straße mit korrekter Fahrtrichtung korrigiert. Für die Straßennavigation ist diese Genauigkeit ausreichend. Allerdings gibt es auch Kunden, die eine höhere fordern.

Die Datenerfassungs-Software läuft im Auto auf einem fest installierten PC nebst LC-Display und Massenspeicher. Per Grafik-Tablett steuert der Beifahrer die Software.

Üblicherweise besteht ein Kartografierungsteam aus Fahrer und Beisitzer. Auf dem Bildschirm werden die neu zu erfassenden Strecken in Signalfarbe angezeigt. Fertig abgefahrene Routen kennzeichnet das System durch einen Farbwechsel. Eine Kamera mit Blick nach vorne zeichnet die gefahrene Strecke während der Messfahrt als Digitalfilm auf. Nur fünf deutsche Navteq-Fahrzeuge verfügen über Multikamera-Systeme, die außer der Front- auch die Seiten- und Rückansicht aufzeichnen, um die Fehlerquote bei Messungen weiter zu minimieren. Die Anzahl der Multikamera-Systeme will Navteq sukzessive ausbauen. Über ein Mikrofon kann der Kartograf die Strecken mit Audio-Kommentaren unterlegen und per Grafiktablett-Stift von Hand Straßen-Attribute ändern oder neu hinzufügen. Je nach Straßenart und Attribut-Dichte können die Kartografierungs-Mobile bei der Datenerfassung zwischen 15 und 120 km/h schnell fahren.

Ein Großteil der Attribute trägt der Beisitzer bereits während der Messfahrt in das Kartenmaterial ein. Der Rest ist Feinarbeit: Bei der Auswertung im Stützpunkt erfolgt die Kontrolle und Komplettierung mittels der Audio- und Videoaufzeichnung aus dem Messfahrzeug. Je nach Kartenausgabe fügt Navteq dann noch 3D-Gebäudedaten, beispielsweise von Sehenswürdigkeiten, hinzu. Auch heute noch erfordert die Kartenerstellung bei Navteq viel Handarbeit.

Seit kurzem bietet der Kartenhersteller auch Erfahrungswerte über den Verkehrsfluss zu gewissen Tageszeiten an. Dies soll dem Navigationsgerät bei der Berechnung der Ankunftszeit helfen, um dann die optimale Strecke zum richtigen Zeitpunkt zu erstellen. Die Erfahrungswerte erhält Navteq sowohl von seinen eigenen Fahrzeugen als auch von Navi-Nutzern, die ihre Streckenprofile anonym über die Portale der Navi-Hersteller wieder zurück an Navteq senden. Die etwa 290.000 Einträge der Point-of-Interest-Datenbank (POI) kommen von Navteq selbst oder werden bei Partnern eingekauft.

Die Arbeitsabläufe der Erfassung, Kontrolle und Pflege der Daten erfolgt nach einem mehren hundert Seiten starken Regelwerk, welches über Jahre entwickelt wurde und Fehler minimieren soll. Navteq liefert seine Karten an die Navi-Hersteller, die die Kartendaten in das für ihre Geräte kompatible Datenformat umwandeln. Diese konvertierten Dateien können die Nutzer dann schließlich auf ihren Navis verwenden.