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Was war. Was wird. (Darin enthalten die Rätsel einer Sommernacht)

Welche Überraschungen und welche großen (nicht nur Sommer-) Rätsel die große weite Welt für uns doch täglich aufs Neue bereithält. Hal Faber aber wundert sich höchstens, dass jemand sich so der Lächerlichkeit preisgeben kann wie das IOC.

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Von
  • Hal Faber

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich – und bringt dieses Mal, wie jedes Jahr zur Sommerszeit, das Sommerrätsel.

Was war.

*** Wenn die Nacht kommt und die Sterne runterfallen, wenn ganze Berge in die See gespült werden, dann ist das für erfahrene Heise-Leser ein untrügliches Zeichen, dass die Geheimnisse eines Sommers aufgedeckt werden wollen, in diesem Fall, in dieser lauschigen Sommernacht 10 Stück an der Zahl – wie in den vergangenen Jahren so auch dieses Mal mit dem guten Gefühl, mal was gewusst haben, als einzigem Gewinn. Der NEC-Rechner war schnell enttarnt, aber die Frage im letzten WWWW nach dem Betriebssystem des Pinguins hatte es wohl in sich. Natürlich war nicht Linux gemeint, das als erstes Wappenvieh eine Möwe nutzte, deren Flügelschlag genau das L von Linux bildete. Nein, der besagte Pinguin symbolisierte DOS in IBMs Fernsehwerbung für OS/2, von der es leider nur noch ein japanisches Video gibt.

*** Bei manchen Rätseln aber, nein, da weiß auch ich keine Antwort, die Leser würden umsonst der Auflösung harren. So in dieser Woche, als wir völlig überraschend gelernt haben, dass in China das Internet zensiert wird, aber nur ein ganz lockeres bisschen, wie wenn man nur ein bisschen schwanger ist. Was für eine Überraschung aber auch, genau wie der Fund von russischen Doperrennerinnen oder der Zulassung einer Ekaterina Thanou, die niemals kontrolliert werden konnte. Nun bin ich zwar kein sportjournalistischer Zierpudel, gehöre aber dem nicht minder verlotterten Zweig der EDV-Journalisten an, wo man gerne und ausdauernd unkritisch über Computer schreibt. Darum beginnt dieses Sommerrätsel heiter-sportlich. Mit einer geburtstagsbedingten Ausnahme müssen nur sportliche Fragen errätselt werden. Wo kämen wir da hin, wenn ich schlicht nach der Zahl der Überwachungskameras fragen würde, die in Peking installiert wurden. Es sind schlappe 300.000, was doch nichts sagt bei 16 Millionen Einwohnern in Peking. Und bitte, wie der derzeit beste Sportblogger Deutschlands schreibt, können die Zierpudel Seiten wie Reporter ohne Grenzen erreichen, wo ihnen geholfen wird bei Problemen mit des Pudels Kern.

*** Die geburtstagsbedingte Rätselausnahme heißt Colani und lebt übrigens praktischerweise im schönen China, weil er sich dort ungehindert mit einer Stadt entfalten kann. Offenbar gerade auf dem Flug zurück, feiert der Andere der Andersartigen seinen 80. Geburtstag im Flugzeug, nicht ohne zuvor im Blatt der klugen Köpfe eine Breitseite gegen Computer abgesetzt zu haben, die nicht reif für Denkvorgänge sein sollen. In diesem Bild haben sich einige Colani-LKW zusammengefunden. Besonders das linke Modell täuscht etwas, denn die Entwicklung dieser LKW wurde 1977 von Hapag Lloyd finanziert und trug ursprünglich den Arbeitstitel "Container for ever", ehe es in "Project 2001" umbenannt wurde. Lutz Colani konstruierte also den idealen Sattelschlepper für Containertransporte.
Was uns auch gleich zu Frage 1 fĂĽhrt: Was war an diesem Fahrzeug schon 1977 computerkompatibel? Gefragt wird nicht nach ALI, dem "Autofahrer-Leit und Informationssystem", das die Firma Blaupunkt einbauen sollte, aber niemals lieferte.

*** Sport und Computer gehören zusammen und haben eine lange Geschichte. Computer helfen beim Bestimmen der richtigen Dopingmethode. Sie sammeln alle möglichen Faktoide über gegnerische Mannschaften. Rühmlich ist daher der Sponsor Telekom zu nennen, der, wie im letzten WWWW gemeldet, die ruhmreiche deutsche Olympiamannschaft ausstattet. Sie hat keinen Röder mehr, dafür aber BlackBerry Curves für jeden Athleten. Und die Internetverbindung im "Deutschen Haus" ist ebenfalls magentafarben. Wie schön, dass ausgerechnet auf der Telekom-Veranstaltung die olympische Vorberichterstattung als geistloser Journalismus von Dummköpfen bezeichnet wurde. Die dank ihrem Radsportengagement sehr dopingerfahrene Telekom wird ihre BlackBerrys wohl mit den richtigen Antworten präpariert haben, die Sportler parat haben müssen.
Woraus sich Frage 2 ergibt: Dieses Bild (rechts, ein Klick fördert eine größere Ansicht zu Tage) berichtet von einem der frühesten Erfolge des sportlichen Programmierens. Was oder wen zeigt es? Fleißpünktchen gibt es für die Sportart und den Namen des Siegers.

*** Was wären die Olympischen Spiele ohne ihre Sponsoren, ohne die Fleischbräter, Zuckerwasserabfüller und, jawohl, ohne die Computerbauer wie die Firma Lenovo, die vom Laptop bis zur olympischen Fackel das richtige Equipment liefert? Nichts wären die Spiele, eine Amateurveranstaltung wie früher, dauernd von der Pleite bedroht. Wer glaubt, mit Peking sei eine Grenze erreicht, der irrt sich: Das heute schon trefflich überwachte London wird so sehr gesponsert, dass der Brite fast kostenlos zu seinen Sommerspielen kommt, dafür sorgen Firmen wie Samsung und Nortel. Ein traditionsreicher Sponsor war übrigens der IBM-Konzern, der sich 1994 ärgerte, dass ein paar Geeks die Spiele von Lillehammer ins Internet brachten, ehe der Sponsor selbst offiziell loslegte.
Daher dann auch Frage 3: Während sich Vancouver mit einem netten Computerpatzer auf die Winterspiele 2010 vorbereitet, produzierten auch die Organisatoren von Lillehammer ein besonders apartes Sicherheitsloch. Was ist gemeint?
Schließen wir gleich Frage 4 an, denn niemand will Mauern errichten oder gar Zeilen schinden: Der Alphatronic war ein deutscher Computer, dessen Betriebssystem nur zwei Befehle kannte, B und B1. Ansonsten war so manches Detail recht eigenwillig gelöst. Welcher deutsche Olympiasportler war für die Entwicklung dieses Systems verantwortlich?

*** Aus den USA kommt die frohe Kunde, dass der amerikanische Zoll Laptops und USB-Sticks durchsuchen darf. Er darf die Daten behalten, so lange er will und braucht nicht einmal anzugeben, ob es einen Verdacht gibt. Das Verfahren widerspricht den eigenen Gesetzen und gibt Möglichkeiten, von denen chinesische Behörden nur träumen können, aber schließlich muss die Freiheit Amerikas gerettet werden. "Victory is peace", trällerte einmal John Denver für die olympischen Spiele: Wer siegen will, darf Späne hobeln. Bleibt da die Frage offen, ob dieser Preis gerechtfertigt ist? Aber nicht doch: Ein findiger Akademiker hat einmal durchgerechnet, was die Homeland Security kostet, verglichen mit dem absoluten Nichtstun, bei dem Geld nur für den Wiederaufbau nach Attentaten oder für die Entschädigung von Opfern fließt. Das Fazit: Absoluter Schutz ist schlichte Ressourcenverschwendung und meistens nicht einmal erreichbar.
Aber was solls, widmen wir uns lieber Frage 5: Die beliebteste olympische Sportart in China ist das Turmspringen. Welcher amerikanischer Turmspringer gewann den Meistertitel in seinem Bundesstaat, entschied sich aber fĂĽr eine Karriere in der Computerbranche?
Und auch dieses Mal Frage 6 gleich hinterher, denn nur Blogger wie Orwell haben alle Zeit der Welt: Gesucht wird eine britische Sportlerin, die beim Protest gegen Big Brother in einer ihr fremden Disziplin antreten musste.

*** Die letzte Wochenschau würdigte den Journalisten Joseph Mitchell, diesmal muss als Geburtstagskind der Journalist Clifford D. Simak erwähnt werden, der Auszeichnungen für die von ihm verantworteten Wissenschafts-Seiten kassierte, aber mit seiner Science Fiction weitaus erfolgreicher war. Seine Geschichten spielen überwiegend im ländlichen Amerika, wohin es schon mal Aliens verschneien kann, die auf handfeste und neugierige Menschen stoßen, die nicht sofort in Star-Wars-Hysterie verfallen. Aus dem Krieg der Sterne wird bei Simak höchstens der Kampf um Pfannkuchen. Wie hier berichtet, gibt es wenig von dem Mann zu lesen.

Was wird.

Wenn Doper gejagt werden und Rekorde fallen oder umgekehrt Rekorde gejagt und Spritzen fallen, wenn wir der Sport-Propaganda zuschauen können, dann gildets. Dann müssen wir alle ständig auf der Hut sein, um keine Entscheidung zu verpassen. Für andere Dienste, etwa geschäftskritische Firmen-E-Mail, bleibt da nicht viel Zeit übrig, für die Krise der SPD und den Rausschmiss des "Journalisten" Clement schon gar nicht. Da diese Partei der Berufsverbote und Sozialgängeleien eine lange und lebendige Geschichte der Parteiausschlüsse besitzt, könnte gleich der nächste versetzt werden, der erheblich den "suizidalen Charakter" der Partei stärkt. Das ausgerechnet der bei seinen Einnahmen so auskunftsunwillige Otto Schily diese Formulierung zum Rauswurf seines Mandantens gewählt hat, ist einnehmend. Die Frage, wer schneller schrumpft, ob Siemens oder die SPD, ist fast schon eine Sportwette.
Was Frage 7 ganz logisch erscheinen lässt: 1972 stellte die Firma Siemens mit Golym einen olympischen Rekord besonderer Art auf, eine frei indizierbare Datenbank, die in rund 7 MByte Speicher alle Athleten- und Ergebnisinformationen enthielt, die dann vor Ort an den Sportstätten "on demand" ausgedruckt wurden. Nur bei einer Athletin fehlten zunächst die Informationen. Wer war das?
Und nun Frage 8, da mein Platz leider zur Neige geht: Wer war einmal Deutschlands schnellster Informatiker?

Wie gut übrigens, dass es das Internationale Olympische Komitee (IOC) gibt, in dem der Siemens-Berater Thomas Bach gründliche Arbeit leistet. Es vertritt nunmehr die Ansicht, dass es in jedem Land Internetrestriktionen gibt. Mit glänzenden Augen freuen sich nun die IOC-Herren auf ihre Spiele, die ihnen nach dem Prinzip des Adventskalenders jeden Tag eine neue geöffnete Internetseite bringt, damit sie China loben können.
Was wiederum zu Frage 9 fĂĽhrt: Welche Flagge wurde vom IOC gestaltet?
Und Frage 10 gleich als Abschluss folgen lässt: 200:9 steht für welche Quote?
So genieße der geneigte Leser weiterhin diese laue Sommernacht, solange er nicht in den allseitig eifrig berichteten Unwettern seinen Keller ausschöpfen muss – auf dass das Kopfzerbrechen nicht zu Kopfschmerzen führt. Wen der Kopfzerbrechensschmerz aber zu sehr plagt, der muss sich bis Montag gedulden. (Hal Faber) / (jk)