Skype findet bei FCC-Chef Martin kein Gehör
Der VoIP-Anbieter fordert auf Grundlage der sogenannten Carterfone-Entscheidung eine weitere Mobilfunknetz-Öffnung in den USA. Der Vorsitzende der Federal Communications Commission, Kevin Martin, erteilte dem Anliegen jetzt aber eine Absage.
Die Chancen, dass sich der VoIP-Anbieter Skype in den USA mit der Forderung nach weiteren staatlich verordneten Zwangsöffnungen von US-Mobilfunknetzen für Dienste und Software von Drittanbietern durchsetzen wird, tendieren gegen null. Der Vorsitzende der Federal Communications Commission (FCC), Kevin Martin, kündigte während einer Rede auf der Mobilfunkmesse CTIA Wireless in Las Vegas an, er werde seinen Kommissionskollegen empfehlen, eine von Skype im vergangenen Jahr eingereichte Petition abzulehnen.
Das zum eBay-Konzern gehörende Unternehmen fordert, dass die sogenannte Carterfone-Entscheidung aus dem Jahr 1968 auch auf die Mobilfunkindustrie angewandt wird. Damals wurde der Telefon-Monopolist AT&T angewiesen, seinen Kunden zu erlauben, auch andere Geräte als die eigenen mit dem Netz nutzen zu dürfen, solange die Integrität des Netzes dadurch nicht gefährdet werde. Die Carterfone-Entscheidung wurde seither als Präzedenzfall auch für andere Netze genommen; so können Kunden von TV-Kabel- oder DSL-Anschlüssen inzwischen beliebige Geräte betreiben, ohne sich dabei nach Vorschriften des Netzbetreibers richten zu müssen.
Im Sinn hat Skype vor allem den eigenen VoIP-Dienst, der von den meisten US-Mobilfunkern derzeit blockiert wird. FCC-Chairman Martin sieht in dem Skype-Anliegen jedoch die Gefahr, "dass die vorsichtige Balance zwischen Innovation und Kundenfreiheit einerseits und Investitionen in die Mobilfunkinfrastruktur andererseits gestört und das kontinuierliche Wachstum der Mobilfunkindustrie behindert werden könnte". Zusammen mit seinen republikanischen Kommissionskollegen hat Martin nun die Möglichkeit, die beiden Demokraten im Gremium zu überstimmen.
Die FCC hatte sich nach Druck von Google im Vorfeld der jüngsten Versteigerung von Mobilfunkspektrum im 700-MHz-Band selbst für neue Open-Platform-Bedingungen stark gemacht. So muss etwa Verizon Wireless, das sich einen Großteil des Spektrums sicherte, ein Teil des Netzes künftig für Handys, Online-Anwendungen und Software aller Art öffnen. Bislang ließ das Joint Venture des US-Telekommunikationskonzerns Verizon und der global agierenden Vodafone-Gruppe nur Geräte zu, die von einem Kooperationspartner stammen und im Zusammenhang mit einem Mobilfunkvertrag erworben wurden. (pmz)