CES-Eröffnung: Sony-CEO zwischen Entertainment und Langeweile
Die wenigen interessanten Ankündigungen des Sony-Chefs zur offiziellen Eröffnung der Consumer Electronics Show bezogen sich auf eine WLAN-Digitalkamera und Erweiterungen für die Virtual-Reality-Plattform Home.
Fast unglaublich, aber wahr: Obwohl bereits etliche Meldungen von den Presseveranstaltungen der CES 2009 zu lesen waren, öffnete die Messe erst am 8. Januar (Ortzeit) offiziell ihre Hallen. Bis einschließlich 11. Januar haben Fachbesucher aus aller Welt Gelegenheit, die rund 200.000 neuen Produkte zu bestaunen, die laut CES-Veranstalter Consumer Electronics Association (CEA) in diesem Jahr präsentiert werden.
Traditionell eröffnete Gary Shapiro, Chef des Unterhaltungselektronik-Branchenverbands CEA, die Messe mit der Opening Keynote, auf die wie üblich eine Gastrede folgte, diesmal gehalten von Sonys CEO Sir Howard Stringer. Doch während sich Shapiro gewohnt dynamisch und kämpferisch gab – in diesem Jahr erwartungsgemäß im Hinblick auf die Weltwirtschaftskrise –, plätscherte der Auftritt des Sony-Chefs über mehr als 1,5 Stunden dahin. Da konnten auch die 3D-Ausschnitte aus Filmen ("Cars"-Kurzfilm von Pixar sowie "Monsters vs. Aliens" von Dreamworks) und TV-Aufzeichnungen eines American-Football-Spiels sowie die Gesangseinlage von Usher zum Schluss der Veranstaltung nichts mehr retten.
Dabei ging Stringers Auftritt an sich recht spritzig los: Nach der Vorführung des Kinotrailers zur kommenden Da-Vinci-Code-Fortsetzung "Angels & Demons" trat Tom Hanks auf die Bühne, der so gekonnt Gary Shapiro imitierte und von den üblichen vorbereiteten Lobeshymnen auf den Sony-CEO abwich, dass sich die Zuschauer köstlich amüsierten. Besonders gefiel den Zuschauern Hanks gewollter Versprecher "Wir sind überall von Sony-Produkten umgeben, zum Beispiel dem Kindle,... äh... Sony E-Book-Reader." Und die Feststellung des Schauspielers, dass er nur bei der Opening Keynote dabei sei, weil ihn sein Vertrag mit Sony Pictures dazu zwinge.
Doch Stringers folgenden Präsentationen waren zu arm an echten Highlights, um diese Begeisterung über die lange Redezeit halten zu können. Auf das größte Interesse stieß noch Sonys neue Digitalkamera DSC-G3 "Wi-Fi Cybershot", die Bilder ohne weitere Zusatzgeräte via WLAN auf Web-Fotoportale hochladen kann. Die Kamera ist ab sofort für 500 US-Dollar in den US-amerikanischen Sony Style Stores erhältlich. Dank eines Deals zwischen Sony und AT&T können Käufer der DSC-G3 ihre Bilder bis zum 31. Januar kostenlos über jeden Hotspot des Telekommunikationsunternehmen in den USA ins Internet hochladen. Das Mini-Notebook der Vaio-P-Serie, das Springer daneben noch aus der Tasche zog, war indes bereits auf der Sony-Pressekonferenz am Vorabend gezeigt worden.
Was noch an interessanten Neuigkeiten blieb, war die Ankündigung, dass Sony dann doch Electronic Arts für seinen auf der PS3 laufenden Second-Life-Klon "Home" gewinnen konnte. Nutzer von Home sollen daher künftig Spiele wie Golf, Autorennen und Poker in der virtuellen Realität gegeneinander spielen können. Sony gab zudem an, bislang 1 Million US-Dollar Umsatz mit dem Verkauf von virtuellen Gegenständen in Home gemacht zu haben. Das US-amerikanische Video-on-Demand-Angebot für die PS3 wird zudem demnächst mit 2000 Programmstunden aufgestockt, die MTV Networks liefert.
OLEDs in Größen zwischen 20 und 30 Zoll sowie flexible OLEDs kündigte Sir Howard Stringer hingegen lediglich recht vage für die nähere Zukunft an. Auch ein digitaler Bilderrahmen, der als Wecker, Nachrichtenzentrale und Videoplayer neben dem Bett steht, bleibt vorerst ebenso Zukunftsmusik wie die mit Zucker arbeitende Öko-Batterie von Sony. (nij)