Ford will den Avatar als Beifahrer mitnehmen

Ford-Chef Alan Mulally pries das mit Microsoft entwickelte Bordcomputer-System Sync auf der Consumer Electronics Show in den höchsten Tönen.

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Von
  • Erich Bonnert

Nachdem der Vorstandschef von General Motors im Vorjahr eine Keynote-Präsentation halten durfte, war der Auftritt eines weiteren US-Autoproduzenten auf der Consumer Electronics Show CES wohl unvermeidbar. Anders als GMs Richard Wagoner propagierte Ford-Chef Alan Mulally aber keine Elektroautos als Ausweg aus der Misere der US-Fahrzeugindustrie. Mulally pries vielmehr das mit Microsoft entwickelte Bordcomputer-System Sync in den höchsten Tönen.

Seit der Einführung in zwölf Ford- und Mercury-Modellen auf dem US-Markt vor drei Jahren hat der Autohersteller über eine Million Fahrzeuge mit Sync verkauft. Sync besteht im Wesentlichen aus einer Freisprecheinrichtung und sprachgesteuerter Bedienung von Smartphones und MP3-Playern, die per Bluetooth mit der eingebauten Stereoanlage gekoppelt werden.

Avatar Eva schlägt eine Fahrtroute zum Lieblingsitaliener vor.

Jetzt kommen Telematikdienste hinzu, die bei Konkurrenten wie GM allerdings schon seit den 90er-Jahren gang und gäbe sind: beispielsweise GPS-Navigation, ein automatischer Unfallnotruf per Mobilfunk sowie ein Ferndiagnosedienst für die elektronischen Komponenten des Autos. Über den Microsoft-Dienst Tellme sollen auf sprachgesteuerte Abfragen nach Leitdiensten, Verkehr, Straßenzustand, Kinoprogramme sowie Verkehrs- und andere Nachrichten per Handy ins Auto gefunkt werden.

Ab 2010 will Mulally Sync auch in europäischen Ländern in ingesamt sieben verschiedenen Sprachen einführen. Das Windows-basierte System wird unter anderem Namen bisher schon für Modelle von Fiat, Alfa und Lancia angeboten. Ab 2012 peilt Ford auch Asien an.

Für die Zukunft stellt sich Mulally eine erweiterbare Plattform nach dem Vorbild des App Store von Apple vor, bei dem neue Anwendungen in ein bestehendes System eingebunden werden – in der Regel per USB- oder Bluetooth-Download von einem Smartphone. "Kein anderer Autohersteller kann seine Bordcomputer aufrüsten, ohne das gesamte Auto neu zu testen", brüstete sich der Ford-Chef. Mulally verwies auf den intern entwickelten Fahrsimulator Virttec, mit dem die Interaktion des Fahrers mit Sync sowie dessen Auswirkungen auf das Fahrverhalten ausgiebig getestet werden.

Solche Hinweise auf der Instrumentenanzeige sollen Ford-Fahrer zu energieeffizientem Fahren motivieren.

Mit dem Projekt "Smartgauge" will Mulally, der zuvor viele Jahre Chef beim Flugzeugbauer Boeing war, das gesamte Armaturen- und Instrumentendesign umkrempeln. Das Armaturenbrett soll durch erweiterte Anzeigen und Bildschirme zum audiovisuellen Cockpit werden. Über verschiedene Menüebenen erreicht der Fahrer immer detailliertere Betriebsdaten seines Autos, die speziell das energie- und umweltbewusste Fahren fördern sollen, fabulierte Mulally.

Software-Entwickler könnten dem Besitzer gar Möglichkeiten schaffen, passende Avatare für ihr eigenes Vehikel zu kreieren. So unterhielt sich im Demonstrationsbeispiel die Fahrerin mit ihrer virtuellen Beifahrerin "Eva" auf dem Cockpit-Schirm über Termine, optimale Fahrtrouten und Musikwünsche, die der aktuellen Stimmung entsprechen. An diesen Entwicklungen sind neben Microsoft Spezialisten von Nuance, Sharp und Toshiba sowie die Design-Firmen Ideo und Smart-Design beteiligt. (Erich Bonnert) / (anw)