IT-Gehälter: Überraschend viele Firmen zahlen unter Durchschnitt

Wie marktkonform IT-Gehälter in deutschen Unternehmen sind, wurde in einer aktuellen Studie untersucht.

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Von
  • Marzena Sicking

Gehälter in der Informationstechnologie genießen vielerorts den Ruf besonders hoch und krisensicher zu sein. Der angeblich allgegenwärtige Fachkräftemangel soll zudem der Garant dafür sein, dass sich die Entgelte in dieser Berufsgruppe weiterhin überproportional gut entwickeln – fortlaufende Gehaltssteigerungen inklusive. Aber kann sich tatsächlich das Gros der IT-Experten und Manager über Top-Gehälter freuen?

Wie Arbeitgeber im Vergleich zum marktüblichen bezahlen, wie sie die Positionierung ihrer eigenen Vergütungsstrategie sehen, ob sie in Bezug auf IT-Entgelte über feste Strukturen verfügen und welche Auswirkungen diese auf die Personalgewinnung haben, hat r&p Management Consulting in einer aktuellen Studie beleuchtet. An der repräsentativen Umfrage nahmen insgesamt 441 Unternehmen teil, darunter Mitglieder des HR- und IT-Managements, Geschäftsführer und Vorstände der IT-Firmen.

Wie marktkonform sind IT-Saläre in deutschen Unternehmen? (4 Bilder)

Wie beurteilen Sie die IT-Vergütungen in Ihrem Unternehmen?

Die Marktkonformität stellt ganz sicher eines der „Schwergewichte“ in der Vergütungsstrategie eines Unternehmens dar. Entscheidet sich an dieser doch die simple Frage, wie gut oder eben schlecht bezahlt wird. So empfinden es die Mitarbeiter und die Bewerber – vermutet oder faktisch belegt, nicht selten Auslöser einer sich erhöhenden Fluktuationsrate und Stolperstein bei der Gewinnung der benötigten Spezialisten. (Bild: r&p management consulting)

Demnach beurteilen nur acht Prozent der Befragten die IT-Vergütung in ihrem Unternehmen als "in jedem Falle marktkonform". Genausoviele bezahlen mindestens fünf Prozent mehr als im Markt üblich ist, ein weiteres Prozent legt bis maximal fünf Prozent mehr drauf. 41 Prozent sagen, dass sie "weitgehend marktkonform" vergüten.Bei 15 Prozent der Firmen liegt das Gehalt der IT-Spezialisten bis zu fünf Prozent unter dem Marktüblichen, bei 27 Prozent schlägt das Pendel sogar noch stärker nach unten aus. Damit liegt die IT-Vergütung in den meisten Unternehmen deutlich über oder unter dem Marktüblichen. 58 Prozent der Firmen verfügen über ein festgelegtes Vergütungsschema, doch nur 19 Prozent sagen, dass es immer eingehalten wird, der Rest lässt mehr oder weniger häufig Ausnahmen zu.

"Einige der Unternehmen haben sich schon immer ganz bewusst für eine optimierte Vergütungsausstattung ihrer IT-Mitarbeiter entschieden – vielleicht um die "Besten"rekrutieren oder einen Wettbewerbsvorteil für die Mitarbeiterbindung generieren zu können, vielleicht aber auch einfach nur des Marketing- und Image-Effekts wegen", so Studienherausgeber Stefan Rohr. Es sei erstaunlich, wie viele der befragten Unternehmen ihre IT-Saläre defizitär zum Markt bewerten würden: "Überproportionalität kostet zunächst mehr Budget, lässt aber auch bestimmte Kosten einsparen, beispielsweise bei der Personalbeschaffung und Einarbeitung. Unterproportionalität erlaubt zunächst Einsparungen, bringt aber unterschiedliche Nachteile, die diesen Spareffekt wieder umkehren können. Demnach wäre es optimal, sich auf den Kennlinien des Marktes zu bewegen".

Dass der Anteil der Unternehmen, die unterdurchschnittlich bezahlen bei insgesamt 42 Prozent liegt, überrascht also durchaus. Denn bei der allgemein gehaltenen Disskussion über den Fachkräftemangel wäre tatsächlich zu erwarten gewesen, dass ein Großteil der Unternehmen sich durch bewusst höhere Gehälter hier einen Vorteil zu schaffen versucht. Tatsächlich wenden diese Strategie aber nur neun Prozent der Befragten bewusst an. Know-how-Engpässe durch verbesserte Gehälter zu überwinden, stellt somit nur für einen geringen Anteil der Unternehmen eine akzeptable Strategie dar.

Entsprechend sehen die Antworten auf die Frage nach den Auswirkungen der jeweiligen Strategie auf die Personalgewinnung aus: 12 Prozent sehen Vorteile, 43 Prozent berichten von negativen Auswirkungen. Damit ist diese Gruppe fast deckungsgleich mit der, die ihre IT-Experten unterdurchschnittlich bezahlt. 25 Prozent der Befragten wollen bislang keine Tendenz festgestellt haben.19 Prozent sehen sowohl Vor- als auch Nachteile. Damit ist die Gruppe der Unternehmen, die Auswirkungen auf ihre Personalrecrutierung gar nicht oder nur mäßig bewerten können, mit insgesamt 44 Prozent die größte. Das ist durchaus bemerkenswert, schließlich sind fast 90 Prozent der Befragten Manager in IT-Unternehmen und damit in einer Branche in der Vorteile bei der Rekturierung durchaus existenzentscheidend sein können. ()