Was war. Was wird. (Nicht entbehrend des dritten Teils des Rätsels für eine Sommernacht)
Wenn es wieder heißt "Draußen nur Kännchen", dann sind wir in Deutschland anno 2008 angekommen, in dem sich Merkel, Beck und Lafontaine die politischen Bälle zuspielen. Da darf ein bisschen Eskapismus sein, meint Hal Faber.
Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich – und dieses Mal mit dem dritten Teil des diesjährigen Sommerrätsels.
Was war.
*** "Also, die These, Politik muss möglichst langweilig sein, eine Mischung aus Lateinunterricht und Gebetsstunde, diese These teile ich nicht. [...] Ich bin nach wie vor der Meinung, Politik muss Menschen auch begeistern. Trotzdem können Sie Politik natürlich auch in der Art und Weise machen, wie das gegenwärtig die Kanzlerin demonstriert und der Parteivorsitzende der SPD und wie sie alle heißen. [..] Wer hat nicht alles geschrieben, dass Gott sei Dank die testosterongeschwängerte Generation Schröder und Fischer endlich weg ist? Dann kommt ein Obama mit seinem Charisman und jetzt sind sie alle begeistert", meint unser aller Joschka, und, ja, ja, mit dem guten Testosteron wie die Schröder-Fischer-Gang kann Frau Merkel wenig dienen; Herr Beck gar verschwendet seine Testosteron-Aufwallungen an die doch immer ach so schuldbeladene Medienmeute. Jetzt ist es halt passiert, die "Erinnerungen an die Zeit unter Schröder" sind als reines Sentiment nun doch zur goldenen Reminiszenz an bessere Zeiten geworden, als die Politik noch Spaß zu machen schien und bei aller testosterongeschwängerten Unfähigkeit und Lächerlichkeit ernsthafte Debatten die Bürger bewegten. "Erinnerungen an die Zeit unter Schröder", ja, das sind auch Erinnerungen an den eitlen Tand der New Economy und an Furcht und Elend dieser Internet-Wirtschaft, Erinnerungen an die Durchsetzung des Afghanistan-Einsatzes und das Nein zum Irak-Krieg, Erinnerungen an einen gewissen Peter Hartz und seine vielen Arbeitsmarktvorschläge, Erinnerungen an ... ach, lassen wir das. Lauschen wir erneut dem Ex-Staatsmann Joschka Fischer, so viel Testosteron und so viel abgeklärte Lässigkeit finden wir unter unseren Regierenden und unter unsere Oppositionellen heute nicht. Stattdessen beherrscht das Verlangen nach Sicherheit die Politik und die Debatten, ist die Anmutung des "Draußen nur Kännchen", die doch ausgerottet schien, wieder zurückgekehrt, sei es in Persona Frau Merkel oder Herr Lafontaine, die sich beide in der Hinsicht nicht viel nehmen.
*** Bei so viel Trübsal und sentimentalen Reminszenzen bloß schnell weiter, denn Testosteron, das geht auch ganz anders: Ah, ein frisches luftiges Design, komplett mit einem schicken, mantamäßig tiefgelegten Abstandshalter und Weißpapier in rauen Mengen, da lohnt es sich, ein Liedchen zu trällern über das Netz der Netze, das immer wieder für eine Überraschung gut ist. God save the Internet, schrammel, schrammel, denn ohne dieses Internet wäre Vieles nicht möglich. Nehmen wir nur die schöne Domain Macht das Internet doof, die der Spiegel in aller Objektivität betreibt wie sonst nur eine neue Bildstrecke über Paris Hilton. Neben den Trendtrotzern braucht es eben auch Trotzköpfchen, die allen Ernstes glauben, Urheberrechte für Wortspielchen im Internet anmahnen zu können, und sei sie auch noch so neckisch, die Anmahnung. Der Sommer ist noch nicht zu Ende, mit seinen rätselhaften Themen und Löchern. Da fügt es sich gut, einmal das verblödende, betörende Internet zum Gegenstand des Sommerrätsels zu machen.
*** Wer im Strandkorb Anfang der Woche zum Spiegel gegriffen hat, konnte auch unter dem Titel "Macht das Internet Doof?" eigentlich nicht viel über das Internet lernen.
"E-Mail-Fluten", "Social Networks", ein bisschen Pädagogenschrecke unter dem Rubrum "Abschreiben 2.0", das war es auch schon im seichten Sommersound. Die beste Selbsterkenntnis des Blattes, dass "Powerpoint das vielleicht mächtigste Denksystem der Welt" ist, liefert einen Hinweis darauf, wie bulettenartig die Titelstory gebackt wurde.
Das ist dann fast schon zu einfach, hier mit Frage 1 zu kommen: Diese hübsche Karikatur (rechts im Bild, ein Klick fördert wie immer eine größere Ansicht zutage) zeigt eine Präsentation, die offenbar ohne Powerpoint auskommt, nicht aber ohne Computer. In welchem bahnbrechenden Text ist diese Karikatur zu finden?
Frage 2 folgt auf dem Fuße, wir sind ja so binär. Auch hier im Bild links ist eine Abbildung zu sehen, diesmal eine Kopie aus einer Denkschrift, die mit eben dieser Seite 6 beginnt und was zum Thema hat?
*** Es gibt tonnenweise Literatur, wie sich das Internet im akademischen Raum entwickelte, wie Dispute in RFCs gequetscht, zerquatscht und wieder doch zu einem annehmbaren modus operandi zusammengefasst wurden. Das alles ist bestens im Netz dokumentiert und kann in nullkommanichtsundeins von einer Suchmaschine gefunden werden. Hübsch auch die Saga, wie E-Mail als zweite Anwendung nach dem Dateitransport aus einem vergessenen Rasierer entstand. Wenn der Spiegel und andere Polierer vor der Unkultur des Internet warnen, könnte man sich fragen, wie die spezifische, akademisch geprägte Kultur des Internet entstand. Aber ach, ach und achundach, wir sind hier ja im Netzversteck, in dem sich hauptsächlich Dilettanten und Abschreiber herumtreiben. Es gibt keinen Wegweiser mehr und schon gar keine Kultur, nur noch ein großes Sommerloch, das viel mit den Schwarzen Löchern draußen im All gemein hat: Jeder Blödsinn über das zersetzende Internet und seine Teufeleien wird gedruckt.
So kommen wir denn zu Frage 3, eingeleitet mit einem Zitat: "Wenn Sie in die Kirche gehen und deren Lehren und Philosophien akzpetieren, so werden Sie von ihr aufgenommen und erhalten ihre Vorteile. Wenn Sie das nicht wollen, so können Sie sie jederzeit verlasssen. Die Kirche ist dann noch immer da, aber Sie erhalten keinen der Vorteile. Und genauso ist das Internet. Falls ein Mitglied etwas ausführt, was dem Internet irgendwelche Schäden zufügt, so kann es exkommuniziert werden, damit es die teuflischen Wege verlässt." Aus welcher Zeit stammt diese Beschreibung des Internet?
Nur net hudle, heißt es ja, trotzdem hier gleich Frage 4: Was ist ein Fragebogenwegweiser?
*** Mit dem kleinen georgischen Sommerscharmützelchen und der globalen Pekinge-Ente, bei der Doper auf Sportler machen, Schauspieler Kinder spielen, falsche Kinder singen, das Feuerwerk manipuliert wird und nur der Bluescreen eine Ahnung vom richtigen Leben vermittelt, ist das Sommerloch eigentlich gut gefüllt. Einer aber geht immer noch hinein, wenn BKA-Chef Ziercke das Sommermärchen von der Sauerland-Gruppe erzählen darf, komplett mit 50 Islamisten, die von der Islamistischen Jihad Union ausgebildet werden. Da hat das BKA also eine verschlüsselte Datei gefunden, an deren Inhalt die Techniker nicht herankamen. "Mit der Online-Durchsuchung hätten wir die Daten damals gehabt und das Netzwerk wahrscheinlich weiter aufklären können. So konnten wir nur die Gefahrenspitze kappen." Obwohl der BKA-Spitzenmann zugibt, dass er nichts über die Datei weiß, die da verschlüsselt vorliegt, darf er unwidersprochen behaupten, mit einer Online-Durchsuchung die Daten bekommen zu können: Wenn das Internet doof macht, dann zeigt der Chef der neuen deutschen Zentralpolizei, dass es noch ein bisschen dööfer geht, komplett mit der Behauptung, man könne sofort anfangen, wenn das Gesetz verabschiedet ist. Die Rede, das in wenigen ausgewählten Fällen ein handoptimierter Trojaner nötig ist, der genau auf den geeigneten Fall einer Terrorgefahr hin programmiert wurde, steckt noch im Sommerloch 2007, als Ziercke den Online-Zauber auf der Sommerakademie der Datenschützer präsentierte. Doch Erinnern ist was für Demenzgesunde, wenn es zum Internet 2008 heißt Alles möglich, nichts privat?
Zur Frage 5 gehört mal wieder ein längeres Zitat. Aus welcher Zeit stammt diese Beschreibung des Internet, in dem die bösen Dhihadisten ihr Unwesen treiben?
"Wie wir anfangs erwähnten, so denken einige starrköpfige Individuen, die auf das Netz zugreifen, dass Cyberspace eine Gemeinschaft mit eigenen Gesetzen, Regeln und Arten des Benehmens sei. Bitte glauben Sie das nicht! Es gibt keine Gemeinschaft. Vielleicht war in der Vergangenheit einmal ein Fünkchen Wahrheit an diesem Konzept, als das Internet noch von einer kleinen exklusiven homogenen Gruppe von Akademikern und technischen Forschern benutzt wurde. Heutzutage, wo der Internet-Zugriff für jeden verfügbar ist, stellen die Internet-Benutzer ein Abbild der gesamten Weltbevölkerung dar."
Weiter mit Frage 6, der Platz ist bekanntermaßen beschränkt: Wie hieß der Vorläufer von Twitter? Er musste geschlossen werden, als die ungewaschenen Massen das Netz überrannten. Fleißpünktchen gibt es für Sprüche, die seinerzeit "getwittert" wurden.
*** Wir haben die Spitze des Eisbergs gesehen, die Kollision mit dem Konzern unter Wasser kommt etwas später. Man könnte auch von einem Knallbonbon sprechen, dem der Bombenhagel folgen wird. Was Dienstleister in Deutschland über Lottospieler und Payback-Hamster speichern, wird bald mit den Daten zusammengerührt, die in sozialen Netzwerken abgefischt werden. Die Call-Center, die mit diesen illegalen Praktiken gutes Geld verdienen, werden dabei noch von den Arbeitsämtern geschmiert, die Empfänger von Arbeitslosengeld II in illegale Jobs stecken. So kommt zusammen, was zusammengehört in Deutschland. Wenn Dung mit der Mistgabel gelockert wird, ist das auch ein Aufschwung. Ehe es richtig knallt und die Fetzen fliegen, muss das Sommerrätsel noch gelöst werden. Auch das Internet hatte seinen großen Knall, als die Dotcom-Blase explodierte, damals in der Zeit unter Schröder, und die großkotzigen Bobos ihre Buden gegen die Wand fuhren.
Logisch, dass sich Frage 7 daraus ergibt: Wer brüstet sich hier, im Bild rechts, einen Schlag auf den Hintern zu geben? Fleißpünktchen gibt es für den Werbespruch der nämlichen Firma, die ihren Konkurs mit demselben seltsamen Humor kommentierte.
Und bleiben wir mit Frage 8 gleich beim Thema: Gesucht wird die größte Dotcom-Pleite, wobei sich Größe auf die Summe des investierten Kapitals bezieht, nicht auf die Größe der geplatzten Firma.
Was wird.
Viele Dinge, die das Internet geprägt haben, sind längst Staub und Asche. Doch nicht jede Asche hat es in die Urne geschafft. Man denke nur an die Untoten bei der SCO Group, die ihr Ding durchziehen, auch wenn vom einstmals gerittenen Pferd nur noch etwas Haar in einem Striegel übrig ist. Mit einem erneuten Antrag auf eine Fristverlängerung um 105 Tage nach dem – bislang noch nicht verkündeten – Urteil im Prozess gegen Novell rüstet sich die Firma für die Ewigkeit. Insgesamt sind laut SCO 96 Millionen Dollar Forderungen aufgelaufen, die die weltgrößte Unix-Firma begleichen soll. Das ist eine Summe, die bestens zu den 99 Millionen passt, die Ölscheiche und die Steven Norris Capital Partner in SCO stecken wollen, weil irgendwann das dicke Geld aus den Klagen fließt, Fantastilliarden um Fantastilliarden. Nun gab es eine Zeit, als SCO das Internet erobern wollte, mit einem PizzaNet als Killerapplikation.
Als auf zu Frage 9: Auch in Deutschland wurde dieses Killerdingens von SCO angeboten. Gesucht wird der Listenpreis der Killerapplikation.
Wo wir schon dabei sind, zum Schluss noch Frage 10. Weil es doch ein Sommertheater gibt, muss diese Frage sein: Was war das Clementgate, wie sah es eigentlich aus?