eBay hofiert gewerbliche Händler

eBay hat eine Flatrate für gewerbliche Verkäufer, eine überarbeitete, Festpreisangebote stärker berücksichtigende Suche sowie verbesserten Käuferschutz angekündigt.

vorlesen Druckansicht 204 Kommentare lesen
Lesezeit: 5 Min.

Nach Gebührenvergünstigungen für Privatverkäufer vor einem knappen Jahr hat der Deutschland-Chef von eBay, Stefan Groß-Selbeck, am heutigen Mittwoch in Berlin "umfassende Änderungen" angekündigt, die sich seinen Angaben nach vor allem für gewerbliche Händler auszahlen sollen. Dazu gehört eine neue, vom 25. September an geltende Formatstruktur, die nur noch nach Auktionen und Festpreisangeboten unterscheidet. Damit werden früher nicht immer leicht zu findende Artikel aus Shops in sofort verkaufbare Artikel verwandelt. Gleichzeitig werden die Festpreisangebote besser in die Suchergebnisse integriert. Dazu kommt eine "Flatrate" für gewerbliche Verkäufer in Höhe von 299 Euro im Monat für beliebig viele Produkte mit frei wählbarer Einstelldauer.

Die Käufer will der Online-Marktplatz besser schützen. Vom 1. September an soll die PayPal-Absicherung gegen Zahlungsausfall in unbegrenzter Höhe gelten, das bisherige Limit bis 1000 Euro wegfallen. Weise ein Verkäufer einen Versand nach, sei er auch international gegen nicht eingehende Zahlungen versichert, erläuterte Groß-Selbeck. Insgesamt würden die PayPal-Gebühren vereinfacht und angepasst, es entstehe ein einheitliches Modell für alle EU-Staaten mit dem Euro. Fernsehberichte über nicht erfüllte Versprechen durch PayPal wollte bei eBay zunächst niemand kommentieren.

Erforderlich wird von September an zudem nach einem halbjährigen Probelauf eine Identitätsbestätigung beim Verkaufen. Dabei werden Mitgliedskonten von Verkäufern durch Flash-Cookies zur browserunabhängigen Speicherung von Nutzerdaten einzelnen Computern zugeordnet. Will ein auf diesem Weg nicht identifizierter Verkäufer vom nächsten Monat an ein Angebot starten, erfolgt laut Groß-Selbeck ein automatischer Anruf von eBay an die hinterlegte Festnetz- oder Handynummer. Darin wird ein Bestätigungscode mitgeteilt, der von dem Mitglied einzugeben ist. Damit soll sichergestellt werden, dass das Angebot wirklich von dem ihm zugeordneten Verkäufer ausgeht und der Missbrauch von Mitgliedskonten eingeschränkt werden.

Ferner will eBay Deutschland die Verkäuferstandards höher setzen. "Wir haben ein Risikomodell geschaffen, in das negative und neutrale Bewertungen einfließen", hielt sich Groß-Selbeck hier vergleichsweise vage. Die Sanktionen würden über die Limitierung des Handelsvolumens bis zum Ausschluss von der Plattform reichen. "Sehr wichtig" werde es dabei künftig für die Anbieter, dass sie die Versandkosten "realistisch" ansetzen. Schon seit 15. Juli habe man für 31 Kategorien hier Obergrenzen in Höhe von fünf bis acht Euro abgesteckt. Geplant sei, die entsprechend gedeckelten Artikelgruppen weiter auszudehnen. Zudem sei es verpflichtend, mindestens einen nationalen Versandservice samt Kosten anzugeben, um unangenehme Überraschungen beim Käufer zu minimieren. Verkäufer hätten derweil "honoriert", dass reine "Rachebewertungen" durch Käufer nicht mehr möglich seien. Im dritten Quartal werde nun dafür gesorgt, dass die Endkunden negative Bewertungen einfacher revidieren können.

Mit der reduzierten Formatstruktur verdoppele sich das verfügbare Angebot quasi über Nacht, warb Groß-Selbeck für den Wandel. Artikel zum Festpreis aus Shops würden deutlich besser sichtbar, die Einstellgebühren auf 0 bis zehn Cent je nach Wahl der Verkaufsfläche gesenkt. Bisher betrügen sie zwischen 25 Cent und 4,80 Euro. Ein Galeriebild werde zudem künftig immer im Einstellpreis genauso enthalten sein wie die PayPal-Option, die beim Flatrate-Angebot verbindlich wird. Um am PowerSeller-Prämienprogramm teilzunehmen, wofür sich bislang ein Fünftel der gewerblichen Verkäufer qualifiziert habe, müssten die detaillierten Verkäuferbewertungen künftig Werte von mindestens 4,0 aufweisen.

Wie sich das insgesamt nicht ganz einfach bleibende neue Gebührensystem für gewerbliche Händler konkret auswirken wird, lässt sich laut Groß-Selbeck nicht pauschal sagen. Er rechnete an Beispielen vor, dass etwa ein Buch für 29 Euro künftig trotz einberechneter PayPal-Gebühren mit einer Verkaufsgebühr in Höhe von 4,40 statt 5,08 Euro zu Buche schlage. Wer einen iPod Toch für 300 Euro verkaufe, müsse dagegen mit einer Steigerung der Verkaufsgebühr um fünf Euro rechnen. Wer etwa 50 Produkte pro Monat verkaufe, werde auf jeden Fall bereits vom "Shop-Abo" profitieren.

Zur neuen Auflistung der Suchergebnisse führte Groß-Selbeck aus, dass Festpreisformate künftig nach dem Verkaufserfolg und nicht mehr automatisch nach der Restlaufzeit angezeigt würden. Diese greife vor allem bei Mehrfachangeboten. Diese Umstellung solle dafür sorgen, dass ein "gesunder Mix aus Aktionen und Festpreisangeboten gelistet wird". Geübte Nutzer könnten aber weiter nach diversen Kriterien suchen.

Allgemein will eBay mit dem erneuten Umbau auf Müdigkeitserscheinungen der Nutzer bei Online-Auktionen und Abmeldungen von Händlern reagieren. Groß-Selbeck rechnete zwar vor, dass die Einführung der 0-Cent-Gebühr für 1-Euro-Standardauktionen zu einem Wachstum des privaten Angebots um 137 Prozent geführt habe. Die Reichweite von eBay liege zudem bei 45 Prozent hierzulande, die monatliche Nutzungsdauer liege durchschnittlich bei fast zwei Stunden. Die aktuelle Zahl einzelner Besucher im Monat gab der Firmenchef aber mit nur noch rund 16,5 Millionen an, im Vergleich zu etwa 20 Millionen vor einem Jahr. Die Zahl der aktiven Nutzer insgesamt bezifferte er mit 14,5 Millionen. Von Ergänzungen beim Schutz vor Markenpiraterie wusste Groß-Selbeck nichts zu berichten. Neu waren ihm ferner Berichte im Umfeld des gegenwärtigen Datenklau-Skandals, dass auch bei eBay Adressdaten für Schnäppchenpreise gehandelt würden. Selbstverständlich sei auf dem Marktplatz alles verboten, versicherte er, was gegen gesetzliche Richtlinien verstoße. (Stefan Krempl) / (jo)