Nokia Siemens Networks revidiert Auslagerungsentscheidung

Die in Berlin angesiedelten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich Radio Access werden nun doch nicht dem indischen IT-Dienstleister Wipro Technologies übertragen. Die NSN-Mitarbeiter hatten sich hartnäckig geweigert, zu Wipro zu wechseln.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Die Geschäftsführung von Nokia Siemens Networks (NSN) hat die erst im Oktober bekannt gegebene Entscheidung, die in Berlin angesiedelten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich "Radio Access" an den indischen IT-Dienstleister Wipro Technologies auszulagern, revidiert. "Radio Access wird nun doch nicht zu Wipro verlagert!", heißt es in einer Mitteilung der Arbeitnehmervertretung bei Siemens. Grund seien "intensive Verhandlungen mit dem Betriebsrat" sowie die hartnäckige Weigerung der Mitarbeiter gewesen, zu Wipro zu wechseln.

Laut Vereinbarung (PDF-Datei) sollten eigentlich 58 Mitarbeiter von Nokia Siemens Networks vollständig in die Betriebstätigkeit von Wipro Technologies integriert werden. Das indische Unternehmen wollte mit der Übernahme der Radio-Access-Unit sein Dienstleistungsangebot im Bereich Forschung und Entwicklung für 3G stärken. Doch die Rechnung wurde ohne die Mitarbeiter gemacht: Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen über die vertraglichen Bedingungen begannen offenbar erst mit der Vertragsunterzeichnung.

Der Berliner Betriebsrat wollte von einer Job-Auslagerung jedenfalls nichts wissen und setzte sich für die Gründung einer neuen "Wipro Berlin GmbH" ein. Doch auch die wird es wohl nicht geben. Ein NSN-Sprecher erklärte, man habe sich mit dem Betriebsrat inzwischen darauf geeinigt, das Berliner Segment "Radio Access" im Jahr 2009 zu schließen. Ein Stufenplan soll die Beschäftigung bis dahin regeln. Für die frei werdenden Mitarbeiter sollen laut Arbeitnehmervertretung Einsatzmöglichkeiten in anderen NSN-Bereichen gefunden werden.

Das Netzwerk-Joint-Venture von Nokia und Siemens hatte im Frühjahr den Betrieb aufgenommen. Im Mai kündigte das Management an, bis Ende 2010 weltweit rund 9.000 Mitarbeiter entlassen zu wollen, um Kosten zu sparen. Im Vordergrund sollte dabei die Auslagerungen von Tätigkeiten an externe Geschäftspartner stehen. So werden beispielsweise bis zu 235 Mitarbeiter aus den Münchner und Berliner Forschungslabors von Nokia Siemens Networks ausgegliedert und von IBM Global Engineering Solutions übernommen. Zuletzt wurde kolportiert, NSN habe Berater ins Haus geholt, um einen weiteren Stellenabbau vorzubereiten. (pmz)