Bericht: Intel nimmt Abstand von TV-Plänen
Der Chiphersteller überlegt offenbar, dem Netzbetreiber Verizon die Kontrolle über die 2011 gegründete Sparte Intel Media zu übergeben. Das könnte das Aus für Intels TV-Ambitionen bedeuten.
US-Chiphersteller Intel verhandelt einem Medienbericht zufolge über die Übergabe seines Pay-TV-Projekts an den US-Netzbetreiber Verizon. Ob sich Intel vollständig von seinen TV-Plänen verabschiedet oder sich nur etwas zurücknimmt, sei noch nicht klar, berichtet das gewöhnlich gut informierte US-Blog AllThingsD unter Berufung auf mit den Vorgängen vertrauten Personen. Die Verhandlungen seien schon weit fortgeschritten.
Demnach erwägt der Chiphersteller, dem Netzbetreiber Verizon die Kontrolle über die 2011 gegründete Sparte Intel Media zu übergeben. Intel hatte eigens dafür Erik Huggers von der BBC abgeworben, der die Online-Dienste und den iPlayer der britischen Sendergruppe aufgebaut hatte. Huggers sollte einen eigenen Pay-TV-Dienst aufbauen, eine eigene Settop-Box entwickeln und Gespräche mit verschiedenen Programmanbietern führen.
Sender und andere Programmanbieter sind aber nicht gerade Feuer und Flamme, wenn sich Neulinge im Geschäft breit machen wollen. Das haben auch andere IT-Größen wie Apple oder Google gemerkt. Apple musste lange werben, bis man den US-Kabelsender HBO auf Apple TV präsentieren konnte (natürlich nur für US-Kunden). Weitere Sender stehen noch mit Apple in Verhandlung. Google rennt mit seinem TV-Projekt bei den Sendern nicht gerade offene Türen ein. Auch Sony will es mit einem eigenen TV-Dienst versuchen.
Eigentlich sollte es noch in diesem Jahr losgehen mit Intels Fernsehdienst. Vor ein paar Wochen hat Intel den Start auf 2014 verschoben. Die Settop-Box soll schon fertig sein und sorgte wegen der eingebauten Kamera schon mal für erwartbare Aufregung aus der Datenschützerecke. Doch war Intel dem Bericht zufolge bisher nicht in der Lage, das für einen Start nötige Programm auf die Plattform zu holen. Bis zuletzt habe sich der Chiphersteller auch um Investoren und Vertriebspartner für das Projekt bemüht.
Im Sommer war Intel-CEO Brian Krzanich schon mal vorsichtig auf Distanz zu dem Projekt gegangen. Krzanich hatte die Konzernführung im Mai übernommen und gilt nicht als Freund der Fernsehpläne. Die könnte jetzt Verizon übernehmen, was durchaus Sinn ergibt: Der US-Netzriese hat schon einen eigenen Pay-TV-Dienst mit fünf Millionen Kunden und verfügt über die nötigen Verbindungen zu den Programmanbietern. Intel und Verizon wollten sich gegenüber AllThingsD dazu nicht äußern. (vbr)