Navigation-Day@CeBIT: Die Krise als Chance
Im Rahmen der Navigation-Day-Konferenz sprechen am heutigen Freitag Vertreter verschiedener Firmen über die Zukunft der Navigation und die Annäherung an das Internet. Die Stimmung ist trotz Wirtschaftskrise ausgesprochen positiv.
Dass Navigation sich auf die Dauer nicht allein auf Routenplanung von A nach B beschränken konnte, war abzusehen. Mittlerweile haben die Navi-Hersteller erkannt, dass ein Gerät allein mit guter Streckenberechnung kaum noch jemand hinter dem Ofen hervorlockt. Die Nutzer verlangt in Zeiten von Google Maps und Social Networks nach standortbasierten Internet-Diensten, die im Auto, zu Fuß oder auf dem Rad Informationen nach Wahl über die Umgebung bereit halten.
Doch in einem waren sich die Sprecher auf dem Navigation Day der CeBIT einig: Die nächste Generation von Navis oder Auto-Bordcomputern sind alleine durch die Navi-Hersteller kaum zu realisieren. Die Karten-Zulieferer Tele Atlas und Navteq arbeiten schon seit langem mit anderen Unternehmen bei der Entwicklung neuer Datendienste zusammen. Auch die Entwickler von Sprachausgabe- und Sprachsteuerungssystemen SVOX und Nuance gehen als Zulieferer auf die Bedürfnisse der Navi-Branche ein.
Doch erst seit die ersten Connected-Navis mit eingebauter Mobilfunkkarte auf dem Markt sind, werden auch Unternehmen wie Google und die großen Mobilfunkprovider sowie Handy-Hersteller hellhörig. Die Wirtschaftskrise zwingt außerdem die bislang eher ihr eigenes Süppchen kochenden großen Autobauer, nach neuen Ideen und Konzepten Ausschau zu halten und beispielsweise auf Navi-Hersteller, Content-Provider und Internet-Service-Anbieter zuzugehen.
Insofern verstehen viele Unternehmen die momentane Krise als große Chance, mit anderen Firmen zusammenzuarbeiten und von deren Techniken zu profitieren. Dadurch sollen Geräte entstehen, die sowohl eine gute Routenplanung nebst Kartenmaterial mitbringen als auch Reiseführer, Internet-Dienste und Bordcomputer-Abfrage in sich vereinen. Auf dieser CeBIT sieht man noch nicht viele Früchte dieser Unternehmenszusammenarbeit, aber an jedem Stand der Hallen 14 und 15 tauscht man sich aus, knüpft Kontakte und tätigt Geschäfte.
Wie ein Sprecher des Kartenherstellers Navteq in seinem Vortrag ausführte, ist aber selbst der Markt mit herkömmlichen Navi-Systemen längst noch nicht gesättigt. Gerade einmal die Hälfte aller Autofahrer nutzen ein Navigationsgerät; annähernd 10 Prozent haben von Navi-Diensten noch nichts gehört. Zudem soll nur ein geringer Prozentsatz aller Smartphone-Nutzer ortsbasierte Dienste Nutzen, obwohl die meisten bereits einen GPS-Empfänger besitzen und entsprechende Software vorinstalliert ist. Hingegen sollen nahezu alle Autofahrer mit einem integrierten Navi-Entertainment-System auch hiervon Gebrauch machen.
Noch ist ein Internetzugang in den wenigsten Autos zu finden. Doch die ersten Ansätze sind bereits auf der CeBIT zu sehen, beispielsweise auf den Ständen von Intel (Pavillion P33), die ein Auto mit Atom-Prozessor-Technik zeigen, Merian (Halle 15, Stand E20), die ihre Reiseführer in einem Opel Insignia demnonstrieren, und beim Stand von VW (Halle 15, Stand C08), welche mit Wireless Wolfsburg eine Internet-Diensteplattform fürs Auto präsentieren.
Von Krise mag hier auf dem Navigation Day jedenfalls niemand reden, sondern nur von Chancen. Welche Navi-Produkte aus den hier geknüpften Partnerschaften hervorgehen, wird man dann wohl auf der CeBIT im nächsten Jahr zu sehen bekommen. (dal)