Rutschfest auf Eis

Ein norwegischer Tüftler hat aus Kieselgurkörnern ein umweltfreundliches Streugut entwickelt.

vorlesen Druckansicht 107 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.

Ein norwegischer Tüftler hat ein umweltfreundliches Streumittel für den Winter entwickelt, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Das "Ice-Crust" genannte Pulver besteht aus gebrannten Kieselgurkörnern von weniger als einem Millimeter Durchmesser. Sparsam auf eine schnee- oder eisglatte Fläche gestreut, verleiht es der Oberfläche binnen Sekunden eine sandpapierartige, griffige Oberfläche. Kieselgur, auch Diatomeenerde genannt, besteht aus den Resten urzeitlicher Kieselalgen, die sich als Sedimentgestein abgelagert haben.

Kieselgur kann besonders viel Flüssigkeit aufnehmen. Streut man die Körner auf Eis, absorbieren sie die nanometerdünne Wasserschicht an der Oberfläche, die das Eis so rutschig macht. Innerhalb weniger Sekunden frieren sie selbst fest und machen Straßen sowie Gehwege griffig.

Konventionelle Methoden garantieren immer nur in bestimmten Temperaturbereichen rutschfreie Flächen. Salz etwa eignet sich nur für Temperaturen kurz unter dem Gefrierpunkt. Wird es kälter, gefriert das Tauwasser. Fahrbahnen verwandeln sich erst recht in Rutschbahnen. Auch Sand wirkt nur auf angetautem Eis. Bei hartem Frost finden die Körner auf den glatten Flächen kaum Halt und werden vom Verkehr beiseitegeweht.

Schotter sorgt zwar ein paar Stunden lang fĂĽr Griffigkeit, sinkt aber wegen seines Eigengewichts ins Eis ein und ist dann wirkungslos. Zudem mĂĽssen die StraĂźenmeistereien mit FrĂĽhlingsbeginn den Sand oder Winterschotter zusammenkehren. "Ice-Crust" dagegen spĂĽlt der Regen einfach weg.

Bei Temperaturen ab etwa minus 15 Grad ist allerdings auch das Wasserhäutchen des Eises gefroren, sodass die "Ice-Crust"-Körner nichts mehr aufsaugen können und auch nicht anfrieren. Dann löst man das Pulver in ein wenig Wasser auf und verteilt die Mischung mit einer Blumensprühflasche.

Mehr zum Thema in Technology Review online:

(bsc)