IBC: Microsoft präsentiert Silverlight mit H.264-Unterstützung
Auf der International Broadcasting Conference in Amsterdam zeigt Microsoft eine Vorabversion von Silverlight, die neben Windows Media Video und VC-1 auch H.264 Videos abspielen kann.
Auf der am heutigen Freitag eröffneten Ausstellung anlässlich der International Broadcasting Conference (IBC2008) präsentiert Microsoft eine weitere Vorabversion seines Flash-Konkurrenten Silverlight 2. Scott Guthrie, Corporate Vice President der .NET-Entwicklungsabteilung von Microsoft, sprach vorab über die auf der Messe erstmals präsentierte Unterstützung des Videokompressionsformats MPEG-4 AVC (H.264). Künftig soll man mit dem Microsoft Expression Encoder entsprechende Videos erzeugen und mit dem Windows Server 2008 ausliefern können.
Bis dato spielt Silverlight nur Videos im "hauseigenen" Format Windows Media Video 9 sowie SMTPE VC-1 ab, wobei es sich bei Letzterem um eine verallgemeinerte, von der SMPTE standardisierte Version von Microsofts Windows Media Video handelt. Die Entscheidung, künftig auch H.264 zu unterstützen, soll Inhalteanbietern mehr Flexibilität und Auswahl bei der Videodistribution gestatten. Dass Microsoft aus freien Stücken H.264 unterstützt, darf indes bezweifelt werden. Zwar waren die Redmonder maßgeblich an der Entwicklung der MPEG-4-Videoformate beteiligt – sowohl beim "klassischen" MPEG-4 Part 2 als auch bei dem offiziell als MPEG-4 Part 10 Advanced Video Coding bezeichneten H.264. Beispielsweise war Microsoft-Mitarbeiter Gary Sullivan Chairman des für die Fertigstellung von MPEG-4 AVC (H.264) zuständigen Joint Video Team (JVT) von ITU-T und MPEG. Dennoch gab Microsoft in der Vergangenheit Windows Media eigenen Zöglingen den Vorzug.
Zwischenzeitlich musste der Software-Riese feststellen, dass er mit proprietären Formaten wie Windows Media gegen die offenen MPEG-Standards keine Chance hat. Entsprechend legte Microsoft mit VC-1 eine Verallgemeinerung des ohnehin stark an H.264 angelehnten Windows Media 9 Professional offen und ersuchte bei der SMTPE um die Standardisierung als VC-1. War VC-1 ein der von Microsoft unterstützten HD DVD noch recht verbreitet, setzen die meisten Inhalteanbieter bei der Blu-ray Disc auf H.264, obwohl beide Codecs eingesetzt werden könnten. Auch bei der HDTV-Übertragung hat H.264 die Überhand.
Sah es zunächst so aus, als habe Silverlight mit VC-1 einen Vorteil gegenüber Flash, war Adobe nach der Integration von H.264 in Flash 9 wieder auf Augenhöhe. Auch wenn Scott Guthrie Microsofts Entscheidung schönredet, dürfte weniger der eigene Antrieb als vielmehr der Druck potenzieller Silverlight-Großkunden zu dem Schritt geführt haben.
Silverlight 2 soll im Herbst fertiggestellt werden und als eine weitere wesentliche Neuerung eine plattform- und browserübergreifende Version des .NET-Framework enthalten, dank dem tausende .NET-Programmierer im Nu Webapplikationen entwickeln können sollen. Ob Microsoft die versprochene H.264-Unterstützung ebenfalls schon in Silverlight 2 integrieren wird, ist bisher unklar. (vza)