Oracle-Projektgeschäft zeigt noch keine Anzeichen der Krise
Während der US-Konzern nicht nur mit dem Konkurrenten SAP, sondern auch mit schrumpfenden IT-Budgets auf Seiten seiner Kunden zu kämpfen hat, liegt die Zahl der Oracle-Projektanfragen für IT-Freiberufler noch über dem Vorjahresstand.
(Bild:Â projektwerk)
Während der US-Konzern nicht nur mit dem Konkurrenten SAP, sondern auch mit schrumpfenden IT-Budgets auf Seiten seiner Kunden zu kämpfen hat, liegt die Zahl der Oracle-Projektanfragen für IT-Freiberufler zum Jahresauftakt noch über dem Vergleichszeitraum 2008, wie beispielsweise der Marktmonitor der Hamburger Projektbörse projektwerk für den Monat Februar zeigt. Seit Dezember steigt die Zahl der Ausschreibungen für Oracle-Experten kontinuierlich und liegt aktuell knapp 30 Prozent über dem Niveau vom Februar 2008, während der IT-Projektmarktindex von Gulp schon wieder einen Abwärtstrend signalisiert.
Die Aussichten für das laufende Jahr sind angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage auch eher trüb. Die Zahl der Unternehmen hierzulande, die konkrete Auswirkungen der Krise auf ihr Geschäft spüren, wächst seit Oktober 2008 kontinuierlich an. Laut Erhebungen des Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) gaben im Februar 2009 schon 44 Prozent der befragten Firmen an, dass sie aktuell weniger Umsatz machen beziehungsweise rückläufige Auftragszahlen verzeichnen. Im Herbst des vergangenen Jahres lag der Anteil nur bei 13 Prozent.
(Bild:Â Bitkom)
Bei der von der Aris Umfrageforschung GmbH im Auftrag des Bitkom durchgeführten telefonischen Umfrage zeigte sich zudem, dass kleine und mittlere Unternehmen – bis zu einem Gesamtumsatz von 50 Millionen Euro – in den zurückliegenden Monaten eine deutlichere Verschlechterung ihrer Lage registrierten; von den Großunternehmen hatten schon im November 2008 gut 40 Prozent die Auswirkungen der Krise direkt gespürt. Als Ursache für die beeinträchtige Geschäftsentwicklung nennen zwei Drittel der Befragten das Verhalten ihrer Kunden: Projekte werden verschoben, in ihrem Umfang reduziert oder sogar komplett storniert.
Unter dem Zwang, sparen zu müssen, konzentrieren Unternehmen ihre Investitionen auf Projekte, die unaufschiebbar sind und einen möglichst raschen Return-on-Invest (ROI) versprechen. Anstelle umfassender Umbauten in der IT-Infrastruktur und bei Unternehmenssoftware wird vorzugsweise in Teilbereichen und bei Spezialanwendungen optimiert. Oracle spüre diesen Trend bereits deutlich. Die Zahl kleinerer Aufträge steige überproportional im Vergleich zu den langwierigeren Großprojekten, betonte Oracle-Chef Larry Ellison Ende 2008.
Im Hinblick auf den Bedarf an IT-Experten sehen Branchenkenner dennoch gute Chancen im Oracle-Umfeld. Zwar stufen die Analysten von Pierre Audoin Consultants (PAC) nach wie vor SAP als die wichtigste Triebfeder im Markt ein, aber Oracle habe durch Zukäufe sein Portfolio neben Datenbanken und Unternehmenssoftware in der jüngeren Vergangenheit um zahlreiche neue Bereiche erweitert. Damit werde sich Oracle zwar ebenfalls nicht der Krise entziehen können, aber zumindest weniger hart getroffen werden, glaubt PAC-Analyst Christophe Châlons. Insbesondere der Kauf des Middleware-Spezialisten Bea habe Oracles Marktposition in Sachen Application Server gestärkt. "Wir sehen eine deutliche Zunahme der Projekte im Umfeld der SOA-Suite", unterstreicht Unternehmensberater und Oracle-Projektmanager Ludwin Poertzgen seine aktuelle Erfahrung. (map)