IT-Projektgeschäft bleibt von der Krise nicht verschont
Während Analysten schwere Zeiten für IT-Dienstleister und das Projektgeschäft voraussagen, bleibt auch die Nachfrage nach IT-Spezialisten zum Auftakt 2009 deutlich unter dem Vorjahresniveau, wie die Daten verschiedener Freelancer-Börsen belegen.
(Bild:Â projektwerk)
Analysten sagen schwere Zeiten für IT-Dienstleister und das Projektgeschäft voraus. Denn die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise schlagen beispielsweise nach Einschätzung von IDC im laufenden Jahr auf die deutsche IT-Branche durch. Nicht nur das Hardware-Geschäft sei davon betroffen, sondern auch der Dienstleistungssektor werde 2009 spürbare Einbußen hinnehmen müssen.
Erste Anzeichen zeigen sich bereits in der Nachfrage nach IT-Spezialisten: Zum Jahresauftakt liegt die Zahl von Projektausschreibungen und Angeboten für IT-Freelancer deutlich unter dem Niveau von 2008 – das Minus beträgt weit über 20 Prozent. Dies belegen unter anderem der aktuelle Marktmonitor der Hamburger Projektbörse projektwerk sowie der IT-Projektmarktindex von Gulp. Außerdem ist auch die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten arbeitslosen IT-Fachleute im Januar seit mehreren Monaten erstmals wieder gestiegen.
Eine relative Ausnahmestellung nimmt dabei das SAP-Umfeld ein. Experten im Umgang mit den Anwendungen des größten deutschen Software-Herstellers sind traditionell in den ersten Wochen des Kalenderjahres besonders gefragt: "SAP wird in der Regel bei Standardprozessen der Unternehmen eingesetzt. Zu Jahresbeginn fallen die Jahresabschlüsse an oder müssen die Finanzdaten innerhalb einer Unternehmensgruppe konsolidiert werden. Dabei sind immer SAP-Spezialisten gefragt, die die Finanzabteilungen ein oder zwei Monate lang unterstützen", erläutert Frank Marschall, Geschäftsführer der auf die Vermittlung von IT-Experten und IT-Projekten spezialisierten ID NETZ Recruitment Services GmbH.
Eine Sonderstellung wird SAP im laufenden Jahr auch nach Einschätzung der Analysten von Pierre Audoin Consultants (PAC) einnehmen. Denn obwohl viele Unternehmen im Hinblick auf die Bewältigung der Wirtschaftskrise ihre IT-Budgets zurückschrauben, rechnet Klaus Holzhauser, Managing Consultant bei PAC, mit zumindest selektivem Wachstum im Projektgeschäftsumfeld: "Insbesondere die Leistungen rund um SAP stellen einen wichtigen Treiber für den Markt dar."
Entscheidend dafür sei das ERP-Upgrade-Release, dass der Hersteller zwar schon 2007 auf den Weg gebracht hatte, dem aber auch im vergangenen Jahr noch zahlreiche Upgrade-Projekte zu verdanken waren. Knapp zwei Drittel der SAP-Kunden hätten diesen Schritt inzwischen vollzogen, aber die meisten lediglich eine rein technische Umstellung auf die neue Version vorgenommen. Die deutlich aufwändigeren und damit auch teureren Projekte zur funktionalen Integration und strategischen Umstellung – beispielsweise im Hinblick auf eine Service-orientierte Architektur (SOA) – stehen Holzhauser zufolge noch aus.
Die Planung und Budgetverhandlungen für derart umfangreiche Projekte werden in den Unternehmen in der Regel im Verlauf der ersten Monate des Jahres durchgeführt, weiß ID NETZ-Chef Marschall: "Die betreffenden Budgets werden dann meist Februar oder März freigegeben. Entsprechend entsteht auch erst dann der Bedarf an IT-Spezialisten für diese Projekte." Davon betroffen sind insbesondere auch Experten für J2EE/Java – erwartungsgemäß ging die Nachfrage nach IT-Freelancern in diesem Kompetenzumfeld im Januar 2009 zurück. (map)