Parken per SMS

In Russland wird auf Hightech-Systeme samt Ortungstechnik gesetzt, um ParksĂĽnder ausfindig zu machen.

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Von
  • Markus Salfer

In Russland wird auf Hightech-Systeme samt Ortungstechnik gesetzt, um ParksĂĽnder ausfindig zu machen.

Um Falschparkern auf die Schliche zu kommen, nutzt Moskau keine Politessen mit Strafzetteln mehr – sondern Kamerawagen mit GPS-Ortung samt Datenauswertung im Verkehrskontrollzentrum. Die Aufrüstung war mehr als überfällig. Denn Moskau erstickt im Autoverkehr. Der Navigationsgerätehersteller TomTom kürte Moskau 2013 zur Welthauptstadt des Staus.

Laut "TomTom Stau-Index" verbringen die Moskowiter täglich 66 Prozent mehr Zeit im Auto als nötig – und doppelt so viel wie in anderen Staumetropolen wie Los Angeles oder Stuttgart (beide 33 Prozent). Genauso überlastet sind auch die Parkplätze. Allein in der Innenstadt parken täglich 46000 Autos im Halteverbot, weitere 89000 auf Bürgersteigen und Straßen – sehr viele davon in zweiter oder gar dritter Reihe.

Seit Mitte 2013 werden in der 13-Millionen-Metropole Moskau daher Parkgebühren erhoben – zum ersten Mal überhaupt. Das Innenstadtgebiet rund um den Kreml wurde in beschilderte und nummerierte Parkzonen aufgeteilt. Autofahrer können am Automaten, per SMS oder über eine Smartphone-App bezahlen. Pro Stunde sind 50 Rubel (1,25 Euro) fällig. Schwarzparker werden mit umgerechnet 75 Euro bestraft.

Am einfachsten ist es, per kostenpflichtiger SMS zu bezahlen: Man gibt die vierstellige Nummer des Parkareals an, das Autokennzeichen und die Parkdauer. Fünfzehn Minuten vor Ablauf der Parkzeit kommt erneut eine SMS, die einem die Möglichkeit gibt, die Parkzeit zu verlängern. Fährt der Besitzer seinen Wagen früher weg, kann er per SMS die Parkuhr anhalten – und bekommt den verbliebenen Betrag gutgeschrieben.

Um zu kontrollieren, ob die Autobesitzer sich daran halten, patrouillieren über hundert unauffällige Überwachungsfahrzeuge durch die Straßen. Mit diesem System der Parkraumüberwachung betritt Moskau echtes Neuland: An Bord sind eine Weitwinkel- und eine Teleobjektivkamera, ein LED-Scheinwerfer für Nachtaufnahmen sowie ein Fahrer und ein Operator, der die Kameras und die Computertechnik bedient.

Zu jedem Parkplatz und jedem Parkverbot sind GPS-Koordinaten abgespeichert. Die Fahrzeuge fotografieren jeden Standort zweimal im Abstand von 15 bis 20 Minuten, um sicherzustellen, dass ein Fahrzeug tatsächlich parkt und nicht nur zum Ein- und Aussteigen dort stand. Im Bordcomputer werden per Bluetooth GPS-Signal, Kamerabild und Uhrzeit zusammengeführt und dann auf einer handelsüblichen SD-Karte gespeichert.

Nach jeder Schicht werden die SD-Karten ins Datenzentrum der Verkehrskontrolle ĂĽbermittelt, wo gut hundert Angestellte rund um die Uhr die Fotos mit den SMS-Parkdaten abgleichen, um Falschparker zu identifizieren.

Seit Beginn der Pilotphase im Juni haben die ParkgebĂĽhren bereits 570.000 Euro in die Stadtkassen gespĂĽlt. In den betroffenen StraĂźenzĂĽgen ist die Zahl der Autos nach Angaben der Moskauer Stadtverwaltung um 20 bis 25 Prozent gesunken, der Verkehrsfluss hat sich um neun Prozent verbessert. (bsc)