Bremsen ohne Reue

Ein verbessertes Antiblockiersystem erlaubt es Motorradfahrern, auch in Kurven Vollbremsungen hinzulegen.

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Von
  • Martin Kölling

Ein verbessertes Antiblockiersystem erlaubt es Motorradfahrern, auch in Kurven Vollbremsungen hinzulegen.

Das japanische Forschungszentrum des Automobilzulieferers Bosch hat ein Antiblockiersystem (ABS) für Motorräder vorgestellt, das sogar in der Kurve Vollbremsungen erlaubt. Normalerweise ist kräftiges Bremsen in Schräglage keine gute Idee, denn die veränderten Kräfte führen dazu, dass sich die Maschine aufrichtet.

Die Folge: Der Kurvenradius vergrößert sich, und der Fahrer landet entweder im Graben oder im Gegenverkehr – wenn er nicht schon vorher abfliegt. Herkömmliche ABS-Bremsanlagen für Motorräder verhindern zwar Stürze durch komplett blockierende Räder, haben aber ansonsten keinen Einfluss auf die komplizierte Fahrphysik in Kurvenlage. Das neue Bosch-System verteilt die Bremskraft nun so auf beide Räder, dass die maximale Verzögerung erreicht wird, ohne dass sich die Maschine aufrichtet. "Das funktioniert selbst dann, wenn nur eine Bremse betätigt wird", erklärt Wolf-Henning Scheider, Vorstandsmitglied des Stuttgarter Technikkonzerns.

Dazu misst ein kleiner Sensor unter dem Sattel bis zu hundert Mal pro Sekunde Schräglage und Nickwinkel der Maschine. Selbst skeptische Tester hätten schnell die Vorzüge schätzen gelernt, versichert Bosch. Dennoch mahnt der Hersteller, die technischen Grenzen des Systems nicht auszuloten.

Das Bosch-Kompetenzzentrum sitzt nicht zufällig in Japan. Dort sind mit Honda, Suzuki, Kawasaki und Yamaha vier der führenden Motorradhersteller der Welt beheimatet. Erstmals auf den Markt kommt das neue ABS allerdings zuerst bei den Spitzenmodellen des österreichischen Herstellers KTM – und zwar in den nächsten Monaten. ()