4matische Winterspiele
Mit dem CLA 4Matic erweitert Mercedes nicht nur die eigene Fahrzeugflotte um ein weiteres Allradmodell, er beweist auch, dass der neue Allradantrieb für quer eingebaute Motoren den eigenen Maßstäben gerecht werden kann
- Marc Ziegler
Obergurgl (A), 20. Januar 2014 – Die Allradfamilie von Mercedes wächst. Nun kommen auch A-, B-, und CLA-Klasse dank sogenannten Torque-On-Demand-Antriebs in den Genuss von vier angetriebenen Rädern. Bisher waren die kompakten Fahrzeuge vom überlegenen Allradantrieb ausgeschlossen, weil die 4Matic für Längsmotoren konzipiert war und stets permanent alle vier Räder angetrieben wurden.
Unter Sparzwang
Heute greifen die meisten Hersteller zu einem automatisch zuschaltenden System mit Lamellenkupplung, weil man damit im NEFZ auf günstigere Werte kommt – erst recht bei einem quer eingebauten Motor, der ja eine zusätzliche Kraftumlenkung bedingt. Auch die kompakten Mercedes sind daher im Regelfall mit Vorderradantrieb unterwegs, erst bei Bedarf („on demand“) wird Kraft an die Hinterräder umgeleitet. Die Nachteile liegen dabei ebenso deutlich auf der Hand wie die Vorteile. Egal wie schnell ein System reagiert, es muss erst Schlupf entstehen, bevor Kraft umverteilt werden kann. Auf den anderen Seite verbraucht man weniger Kraftstoff, wenn unter günstigen Bedingungen nur eine Achse angetrieben wird.
4matische Winterspiele (10 Bilder)

(Bild: Daimler (alle))
Schweißausbrüche
Die Power Take off Unit (PTU), mit der die Kraft nach hinten abgezweigt wird, ist ins Gehäuse des automatisierten Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes 7G-DTC integriert, beide Getriebe teilen sich einen Ölkreislauf. Wer die 4Matic wählt, bekommt immer auch das Automatikgetriebe. Die Kombination des Allrads mit dem Doppelkupplungsgetriebe macht die Allrad-CLAs nur etwa 60 Kilogramm schwerer.
Die Lamellenkupplung an der Hinterachse entscheidet die Beteiligung der Hinterräder am Vortrieb. Um die Reaktionszeit zu verkürzen, greift man in Stuttgart zu einem Trick, der bei Freunden permanenter Allradantriebe Schweißausbrüche hervorruft: Die Achsübersetzungen unterscheiden sich leicht. Selbst wenn das Steuerventil komplett auf Durchlass steht, bleibt die Gerotor-Pumpe dadurch aktiv und immer ein Ölstrom aufrecht. Beim kleinsten Schließen des Steuerventils kann damit sofort Kraft übertragen werden. Mercedes selbst spricht von Millisekunden (Oder einem Fahrweg von 3-4 Zentimetern bis zum kompletten Schließen der Kupplung).
Wo kann man die Regelgüte eines Allradsystems besser testen als bei winterlichen Straßenbedingungen? Bereits auf der Fahrt ins winterliche Ötztal fällt auf, dass auch das sportliche Coupé spürbar untersteuernd ausgelegt wurde. Die Kraftverteilung lässt sich allerdings durch die Wahl des Fahr- beziehungsweise Schaltprogramms des Doppelkupplungsgetriebes beeinflussen.