Kampf gegen Autoschieber
Autoschieberei hat vor allem in der Nähe von Grenzen mit einem Wohlstandsgefälle Konjunktur. Die Täter arbeiten arbeitsteilig und auf Bestellung. Die Zahl der Einzeltäter ist inzwischen gering, vielmehr ist die Branche gut organisiert
München, 23. Januar 2014 – Ein BMW X6 mit einem Kennzeichen aus Kassel fährt um 3.00 Uhr morgens im Osten Sachsens auf der Autobahn Richtung Polen. Ein Handelsvertreter auf dem Weg zum Kunden? Kann sein, muss aber nicht. Die Männer der GFG in Bautzen sind von Berufs wegen misstrauisch. Das Kürzel steht für Gemeinsame Fahndungsgruppe - eine Einheit von sächsischer Landespolizei und Bundespolizei. Derzeit sind 23 Beamte allein im Umfeld von Bautzen im Einsatz, um Autoschiebern das Handwerk zu legen.
GFG-Chef Uwe Seeger vergleicht die A4 mit einer Hauptschlagader. Die Piste zwischen Dresden und Görlitz an der Grenze zu Polen sei so etwas wie die Arterie des international organisierten Autoschmuggels. „Da kommt alles durch. Von hier aus verteilt sich das auf andere Blutbahnen“, sagt der 44 Jahre alte Polizeihauptkommissar. Wenn die Kollegen der GFG die Ader durch Kontrollen „abbinden“, fließe die kriminelle Energie häufig über angrenzende Bundesstraßen oder über Dorfstraßen ab. Die Zivilfahnder verfügen im eigenen Wagenpark über reichlich PS.
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Die Autoknacker sind nur noch selten Einzeltäter. Die Banden sind gut organisiert und meist auf teure Autos spezialisiert.
Wählerische Diebe
Am Standrand von Bautzen stehen in einer eher unscheinbaren Garage die Objekte der Begierde – meist Autos der gehobenen Kategorie. Audi R8, VW Touareg oder BMW-Modelle – Autodiebe sind offenbar wählerisch. Die Herkunft vieler Wagen sagt etwas darüber aus, wie das Geschäft im grenzenlosen Europa heute läuft. Ein BMW mit dröhnendem Motor wurde bei einem Italiener mit Wochenendhaus in Lettland gefunden. Allerdings ist nicht mehr viel an dem Wagen original. Das Chassis stammt aus den USA, die Sitze wurden aus einem anderen BMW in Italien gestohlen. Die meisten Autos werden sofort verändert, um die Spuren ihrer Herkunft zu verschleiern.
Geklaut wird häufig nach Bestellung – selbst die Ausstattung ist ein Kriterium. Das Geschäft läuft laut Polizei arbeitsteilig. Einzeltäter seien eher selten. Innerhalb der Bande gebe es Leute, die Autos knacken und andere, die für ihren Transport zuständig sind. Sogenannte Piloten fahren demnach vor dem Konvoi und beobachten die Lage. Dann folgen die Kuriere mit den gestohlenen Wagen, wie Sachsens Landespolizeipräsident Rainer Kann sagt. „Meist erwischen wir nur die Kuriere und damit das schwächste Glied in der Kette. Sie sind oft drogenabhängig und finanzieren mit solchen Aufträgen ihren Drogenkonsum.“ Es sei eine wachsende Brutalität in der Szene zu verzeichnen: „Da wird rücksichtlos auf Beamte zugefahren. Die Kollegen riskieren ihr Leben.“