Ein Achterl in Ehren
Allem Jammern der Industrie zum Trotz gibt es durchaus noch viele Jugendliche, die sich für Motorräder interessieren. Man muss die kleinen Zweiräder nur appetitanregend verpacken
- Ingo Gach
Köln, 30. Januar 2014 – Allem Jammern der Industrie zum Trotz gibt es durchaus noch viele Jugendliche, die sich für Motorräder interessieren. Man muss die kleinen Zweiräder nur schmackhaft verpacken, damit nicht nur der eine oder andere Wiener sagt "ein Achterl in Ehren kann niemand verwehren". Die Attraktivität war aber nicht immer so hoch: Die Hersteller begingen über etliche Jahre den Fehler, ihre 125er-Modelle gähnend langweilig zu designen und veraltete Technik zu verwenden.
Dass aber gerade Sechzehnjährige sehr modebewusst sind und stylisch wirken wollen, auch was ihren fahrbaren Untersatz angeht, scheint langsam in das Bewusstsein der Motorradhersteller gesickert zu sein: In letzter Zeit haben sich einige Marken redlich bemüht, attraktive 125er auf die Räder zu stellen. Übrigens nicht nur für Sechzehnjährige, sondern durchaus auch für Neu- und Wiedereinsteiger älteren Semesters. Wer vor dem ersten April 1980 seine Autoführerscheinprüfung abgelegt hat, darf Leichtkrafträder der Klasse A1 fahren, auch wenn er noch nie auf einem Motorrad gesessen hat.
Ein Achterl in Ehren (17 Bilder)

KTM 125 Duke
Bandbreite zwischen Enduro, Chopper und „ohne Schublade“
Die Leichtkrafträder erweisen sich als spielerisch einfach zu bewegen, überfordern niemanden und machen genau deshalb so viel Spaß. Außerdem sind sie günstig in der Anschaffung, wenn auch leider nicht in der Versicherung. Die meisten dieser Achtelliter-Motorräder bringen es auf 11 kW (15 PS) oder knapp darunter, weil dort die Obergrenze für den Führerschein der Klasse A1 angesiedelt wurde. Das ehemalige Tempolimit von 80 km/h für Leichtkrafträder ist seit letztem Jahr aufgehoben, viel mehr als 100 km/h schaffen aber die wenigsten 125er.
Die Bandbreite der Modelle ist erfreulich, von der Racing-Replica über Roller, Chopper und Supermoto bis zur Enduro ist fast alles vorhanden. Manche lassen sich auch in keine Schublade packen, wie die Honda MSX 125, die Urenkelin der legendären Dax, aber gerade das macht sie so liebenswert.
Es ist unverständlich, wenn Hersteller keine netten 125er im Programm haben, denn die frühe Markenbindung ist nicht zu unterschätzen: Wer bereits in jungen Jahren eine bestimmte Marke fährt, der entscheidet sich dafür oft auch als Erwachsener. (fpi)