Vertrag per Mausklick
Das Internet-Start-up SmartLaw erlaubt seinen Kunden, rechtssichere Dokumente durch Beantwortung eines Web-Fragebogens zu erstellen.
Das Internet-Start-up SmartLaw erlaubt seinen Kunden, rechtssichere Dokumente durch Beantwortung eines Web-Fragebogens zu erstellen.
Egal ob im Privaten und im Beruflichen: Die Beschäftigung mit juristischen Abläufen macht selten viel Freunde, kostet Zeit und meistens auch Geld. Zum Erstellen rechtssicherer Verträge und sonstiger Übereinkünfte gibt es beispielsweise mehrere nicht gerade attraktive Möglichkeiten: Man kann sich im Internet oder in Büchern Mustervorlagen heraussuchen und ausfüllen, die möglicherweise fehlerhaft sind oder schlicht nicht mehr aktuell – oder man besucht einen freundlichen Fachanwalt, dem man dann für an die jeweilige Situation angepasste Schriftstücke üblicherweise einen angemessenen Stundensatz zahlen muss.
Des Berliner Start-up SmartLaw, das von drei Anwälten und einem Diplominformatiker gegründet wurde und seit dem vergangenen September online ist, bietet eine dritten Weg: Über ein virtuelles Frage-und-Antwort-Spiel in Form einer Web-App lassen sich mit der Software der Firma Vertragstexte nach aktuellem Recht Schritt für Schritt im Internet zusammenstellen und dann gleich herunterladen. Dabei sollen intelligente Algorithmen dafür sorgen, dass alle notwendigen Daten erfasst und eingetragen werden.
(Bild:Â Denise Krebs / Flickr / cc-by-2.0)
Das funktioniert derzeit für juristische Bereiche wie Arbeitswelt, Immobilien und Privates – vom Arbeitsvertrag (Minijob bis Vollzeit) über den Mietvertrag bis zum Erbrechtsdokument oder Testament. Einige Vorlagen, wie beispielsweise ein Autokaufvertrag, sind derzeit kostenlos. Die Preise liegen ansonsten etwas höher als bei simplen Vorlagen und niedriger als beim Juristen – so kostet etwa ein Praktikantenvertrag aktuell (Februar 2014) 14,50 Euro, ein Mietvertrag für einen Stellplatz 9,90 Euro und eine Vorsorgevollmacht 24,50 Euro. Diese Preise gelten allerdings nur in einer Anfangsphase, später will SmartLaw sie verdoppeln. Eine 30 Tage geltende "Geld-zurück-Garantie", die man bei einem Serviceteam einfordern kann, soll Ängste nehmen, zudem hat sich die Firma zertifizierten lassen (u.a. TÜV Proficert). Bezahlt wird per Kreditkarte, PayPal oder Sofortüberweisung.
Nicht immer liefert die Technik des Anwalts-Start-ups alle notwendigen Formulierungen. Deshalb gibt es die Möglichkeit für Kunden, fehlende Auswahlmöglichkeiten oder andere Probleme zu melden. Für kompliziertere Fälle und Rechtsrahmen sollte man sowieso weiter zum Spezialisten gehen.
(Bild:Â Screenshot SmartLaw)
Einer Überprüfung der Online-Ausgabe der "Legal Tribune" zufolge klappt das SmartLaw-System durchaus. So wurde etwa der Mietvertrag von einem Mietrechtsanwalt als solide beurteilt, wenn er auch kleinere Detailprobleme aufwies. Bei einem Vertrag für einen Webdesigner sah ein Fachanwalt dagegen "Nachbesserungsbedarf, insbesondere im Hinblick auf die fachliche Tiefe der begleitenden Erklärungen".
Trotzdem sei er seine "nur 29 Euro" wert. Der 69 Euro teure Geschäftsführervertrag wurde dagegen von zwei Spezialisten im Arbeits- und Gesellschaftsrecht als "nicht zu empfehlen" bemängelt, hier gab es unter anderem Ungenauigkeiten, was die Vertretung der GmbH beim Abschluss des Anstellungsvertrages angeht.
(Bild:Â NobMouse / Flickr / cc-by-2.0)
SmartLaw nimmt sich Kritik allerdings zu Herzen und verbessert die Dokumente kontinuierlich. Man sei sich durchaus bewusst, dass man mit seinen Rechtsdokumenten nicht jeden Einzelfall abdecken könne, so Geschäftsführer Daniel Biene in einem Interview mit dem Web-Fachmagazin "t3n". "Viele einfache bis anspruchsvollere Situationen lassen sich mit unseren Dokumenten lösen, aber sie ersetzen nicht den Anwalt."
Wer also beispielsweise einen Geschäftsführer mit einer sehr individuellen Tantiemenregelung einstellen möchte oder an komplizierte Tarifverträge gebunden sei, werde bei SmartLaw nicht fündig werden, sondern solle sich ganz klassisch beraten lassen, so Biene. "Den Großteil der Fälle können wir aber sehr gut abdecken", sagte er. (bsc)