Erdgasautos heizen Klimawandel an
Erdgasfahrzeuge gelten als klimaschonend. Nicht, wenn man den gesamten Lebenszyklus anschaut, sagt eine neue Studie. Pipeline-Lecks, aus denen Methan austritt, verschlechtern ihre Klimabilanz so dramatisch, dass es sogar besser wäre, Kohle zu verbrennen.
Erdgas hat den Ruf, sauberer als Diesel zu verbrennen. Doch die Gesamtbilanz von Erdgasautos fällt negativ aus, behaupten US-Forscher. Der Grund sind Probleme bei der Verarbeitung und Anlieferung des Gases – das Methan tritt an einigen Stellen direkt in die Umwelt aus und verstärkt in der Atmosphäre dann den Treibhauseffekt, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Die neue Studie stammt von Wissenschaftler an Stanford University, National Renewable Energy Laboratory und weiteren US-Fachinstitutionen. Sie fasst die bekannten Messwerte zusammen, die für Methanlecks aus den letzten 20 Jahren vorliegen. Einige Kritiker gingen im Vorfeld der Untersuchung sogar davon aus, dass die bestehenden Methanlecks so groß sind, dass es sogar besser wäre, weiter Kohle zu verbrennen. Die Stanford-Experten gehen soweit nicht. Stattdessen legen sie dar, dass die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA das Ausmaß des Methanproblems zumindest unterschätzt hat. Aber trotzdem sei Erdgas noch immer besser als Kohle in der Verstromung.
Doch im Bereich des Verkehrs gelte das nicht, so die Forscher. Der Grund: Diesel verbrennt in modernen Motoren deutlich sauberer als Kohle und die CO2-Einsparungen bei Verwendung von Erdgas seien zu gering, um den bei Produktion und Transport gewiss vorkommenden MethanausstoĂź zu kompensieren.
Die Untersuchung ist aber sicher noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Sie extrapoliert die vergleichsweise wenigen Messwerte, die tatsächlich aktuell zur Verfügung stehen. Idealerweise müsste man künftig deutlich genauer messen – und zwar an allen Stellen, wo es zu Lecks kommen kann. Das ist aber nicht billig, weshalb die Umsetzung viele Jahre dauern dürfte.
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