Oberflächenspannung

Glatte Touchscreen-Oberflächen verdrängen Knöpfe und Schalter: So sieht das Auto des 21. Jahrhunderts aus. Einige Forscher meinen, dass wir uns damit keinen Gefallen tun - und Sicherheit riskieren

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Berlin 12. März 2014 – Auf dem Fahrersitz eines Autos befindet man sich zunehmend in einer Multimediazentrale. Immer mehr Funktionen und Einstellmöglichkeiten stehen zur Verfügung. Die jüngste Kooperation von Apple mit mehreren Autobauern ist ein deutliches Zeichen dafür, dass auch weitere Anwendungen aus der Unterhaltungselektronik in die Fahrzeuge Einzug halten werden. Die Autokonzerne buhlen um jüngere Käufer, das Durchschnittsalter ist in Deutschland auf über 50 Jahre gestiegen.

Doch wie soll all das bedient werden? Jahrelang bauten die Autofirmen immer mehr Knöpfe ein, was Mittelkonsolen Flugzeug-Cockpits immer ähnlicher werden ließ. Diese werden nun durch Touchpads ersetzt, in denen durch ein Menü navigiert werden kann. Was für Designer und Hersteller neue Möglichkeiten bietet, könnte jedoch auch ein Sicherheitsrisiko darstellen, wie verschiedene Experten meinen.

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Neue Funktionen drängen ins Cockpit und belasten den Fahrerarbeitsplatz zusätzlich. Jüngstes Beispiel ist Apple Carplay, das iPhones und Dienste von Apple tief in die Auto-Anlagen einbinden kann. Als erste Hersteller sind Mercedes, Volvo und Ferrari als CarPlay-Partner dabei. Folgen sollen BMW, Ford, Toyota, PSA, Nissan, General Motors, Honda, Hyundai, Jaguar, Land Rover, Kia, Mitsubishi, Subaru und Suzuki. (Bild: Apple )

Ist die Aufmerksamkeit durch die vielen Multimedia-Möglichkeiten ohnehin schon strapaziert, so wird nun durch die Touchpads auch noch der Tastsinn zurückgedrängt. Glatte Oberflächen, wie wir sie von Smartphones oder Tablets kennen, ersetzen die Rückmeldung durch den Tastsinn, wie Knöpfe oder Schalter ihn bieten.

Carplay von Apple und andere Multimedia-Systeme entsprechen dem Trend zur Vernetzung. Die Akzeptanz bei den Nutzern ist dafür sicherlich sehr hoch“, sagt Christian Hatzfeld, der an der Technischen Universität Darmstadt das Tasten erforscht. „Es stellt sich die Frage, ob Touchscreens im Auto gut für die Sicherheit sind. Studien zeigen, dass mit haptischer Rückmeldung weniger Fehler gemacht werden. Sie sind intuitiver und schneller zu bedienen.“

Wenn Touchscreens in Autos integriert würden, so müsse die Vielzahl an Informationen sinnvoll kanalisiert werden. Der Fahrer muss ohne Ablenkung Einstellungen vornehmen können. Wenn aber auf der glatten Oberfläche nicht zu ertasten ist, ob der Fahrer eine neue Route eingibt oder einen Anruf tätigen will, könnte das zum Problem werden.