Nahverkehrserleichterung
Leichtere Fahrzeuge verbessern die Energiebilanz, vor allem, wenn sie dauernd beschleunigen und wieder abbremsen müssen. Das gilt besonders für Omnibusse. VDL zeigt, was Downsizing und Elektrifizierung bringen können
Eindhoven (Niederlande), 18. März 2014 – Bis noch vor einem Jahrzehnt war Deutschlands Buswelt noch in Ordnung. Die Branche fuhr Mercedes oder Setra, alternativ dazu MAN oder Neoplan – natürlich „made in Germany“. Dabei hatte sich der Wind im Zuge der Globalisierung längst gedreht. Das eher beschauliche Geschäft mit Omnibussen war bei den meisten Herstellern in die roten Zahlen gerutscht. Mit der Konsequenz, dass renommierte Marken wie MAN oder Mercedes-Benz ihre Busproduktion ins billigere Ausland verlegten.
Doch MAN baut längst keine Busse mehr in Deutschland. Und der meistverkaufte Mercedes-Reisebus wird heute aus der Türkei importiert. Seit Jahren suchen Omnibushersteller aus benachbarten Ländern ihre Chance in Deutschland. Die polnische Marke Solaris hat sich mittlerweile einen stabilen dritten Rang in der deutschen Bustabelle gesichert. Und jetzt zeigt der niederländische Fahrzeughersteller VDL, korrekt muss es heißen: VDL Bus & Coach, mit seinen sehr speziellen Produkten Ambitionen in Deutschland. Dahinter steckt ein bekanntes Familienimperium, VDL steht für „van der Leegte“, das Unternehmen hat sich nachhaltiges Wachstum verordnet.
Nahverkehrserleichterung (4 Bilder)

Gleichzeitiges Downsizing und Downweighting
Im deutschen Westen ist VDL schon angekommen. Die Düsseldorfer Rheinbahn fährt mit Überzeugung den VDL Citea LLE, einen ganz besonderen Bus. Sein Konzept ist gar nicht neu: Man baue einen leichten Fahrzeugkörper und verwende Antriebskomponenten, die eine Nummer kleiner ausfallen. Jedes Kilo, das nicht beschleunigt werden muss, spart Kraftstoff. Ein großer Bus mit kleinen Organen ist also gefragt. Allein die Konsequenz, wie der Leichtbau-Bus aus Holland gebaut wird, macht ihn einzigartig. Der Mittelboden und die Dachpartie bestehen aus Sandwichpaneelen, auf das Gerippe aus rostfreiem Stahl wird eine Kunststoff-Außenhaut geklebt. So bringt der 12-Meter-Bus, der auf kleineren 19,5-Zoll-Rädern rollt, einsatzfertig nicht mehr als neun Tonnen auf die Waage.
Das führt, wie aus Düsseldorf zu hören, zu einer Kraftstoffverbrauchsreduktion von 25 Prozent im Vergleich zu den bisher verwendeten Bussen. Besonders bemerkenswert ist diese Angabe, weil es sich dabei um einen Praxiswert handelt und nicht etwa um einen Prüfstandswert für den Normzyklus. Im Heck sitzt ein Cummins-Sechszylinder mit 6,7 Liter Hubraum und 184 kW/250 PS, der mit dem vollbesetzt nur 14,5 Tonnen schweren Vollformat-Bus gut zurecht kommt. Zuletzt hat er noch eine verbreiterte Vordertür bekommen, um den Fahrgastfluss zu beschleunigen. Und das Beste: Der als zuverlässig und nicht als rostempfindlich bekannte Linienbus aus Holland soll nicht mehr als 200.000 Euro kosten.
Leise mit italienischem Sechszylinder
Was den Holländern noch gefehlt hatte, reichen sie jetzt mit neuen Euro 6-Motoren nach. Der niederländische Anbieter, der übrigens auch in Deutschland eine Vertretung hat, führt jetzt moderne Gelenkzüge im Programm.