Methan aus der Luft
Eine völlig lizenzfreie Idee zur Dämpfung des Klimawandels – allerdings ohne Erfolgsgarantie.
Eine völlig lizenzfreie Idee zur Dämpfung des Klimawandels – allerdings ohne Erfolgsgarantie.
Furzende und rülpsende Kühe sind immer wieder eine Schlagzeile wert. Momentan kursiert gerade die Meldung, Kühe würden etwas weniger Methan ausstoßen, wenn sie Mais statt Gras fressen. Klingt komisch, ist aber offenbar so. Genauso überraschend fand ich die Stanford-Studie, wonach Erdgasautos klimaschädlicher sein sollen als Dieselfahrzeuge, weil Methan in großen Mengen aus Pipelines und Bohrlöchern leckt. Methan ist als Treibhausgas etwa 25 Mal so wirksam wie Kohlendioxid und trägt zu rund 20 Prozent zum Klimawandel bei.
Dazu kommen noch auftauende Permafrostböden sowie Methanhydrat am Meeresgrund. Sie sind weitere Zeitbomben, die den Klimawandel per positiver Rückkopplung verstärken. Keine Frage: Wir haben ein seit langem vernachlässigtes Methanproblem. Das lästige an diesen ganzen Methanquellen: Sie sind so entsetzlich dezentral verteilt. Während man CO2 zur Not noch direkt in den Schloten von Kohlekraftwerken abfangen kann, lässt sich schlecht eine Methan-Abzugshaube über jeden Kuhstall oder über ganz Sibirien spannen.
Das hat mich auf eine Idee gebracht: Ließe sich das CH4 nicht einfach aus der Luft herausfiltern? Entsprechende Anlagen für CO2 gibt es ja bereits. Doch irgendwie habe ich nie richtig verstanden, wozu die eigentlich gut sein sollen. Wenn ich CO2 haben will, kann ich es mir doch viel einfacher direkt bei Kraftwerken oder Biogasanlagen holen. Und ob ich verhindere, dass zusätzliches Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangt, oder bereits dort befindliches wieder entferne, kommt letztlich aufs selbe raus – nur, dass der zweite Weg sehr viel aufwendiger ist.
Bei Methan wäre das aber anders: Erstens hätte ich mit jeder ausgewaschenen Tonne 25-mal so viel für das Klima erreicht wie bei Kohlendioxid. Zweitens hätte ich einen Stoff gewonnen, den ich dann direkt wieder in Energie umsetzen kann. Bei CO2 bleibt dagegen immer noch die Frage, wohin mit dem Zeug.
Wenn schon Geoengineering, dann also so. Ich habe bei Climeworks – einem dieser CO2-Wäscher – mal nachgefragt, ob sich ihre Anlagen nicht auch zum Methanfilter umrüsten lassen. Die Antwort war ein knappes und kategorisches Nein. Schade eigentlich. Aber prinzipiell müsste es doch möglich sein, ähnliche Filter auch für Methan zu bauen. Diese müssten allerdings gewaltig sein, denn der Methangehalt in der Atmosphäre beträgt gerade einmal rund 1,8 ppm, während CO2 stramm auf die 400 ppm zumarschiert. Filteranlagen müssten für CH4 also sehr viel mehr Luft umsetzen als für CO2, um die gleiche Menge an Treibhausgas einzusammeln. Zudem bräuchte man auch entsprechend viel Trägerflüssigkeit, in der Methan gelöst und aus der es später wieder ausgetrieben wird. Ob das energetisch Sinn macht, kann ich nicht beurteilen. Aber vielleicht liest diesen Blog ja ein begeisterungsfähiger Ingenieur, der das Ganze mal durchrechnet und eventuell sogar eine entsprechende Maschine baut. Meine Idee stelle ich hiermit jedenfalls schon mal lizenzfrei zur Verfügung.
(grh)