Verizon Wireless öffnet sein Netz

US-Mobilfunkanbieter will künftig alle Arten von Geräten zulassen und erfüllt damit regulatorische Vorgaben der US-Regierung.

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Mobilfunkanbieter sind notorisch bekannt dafür, Geräte und Software genau zu kontrollieren, die sie in ihre Netze lassen. Apples iPhone funktioniert beispielsweise in Deutschland regulär nur bei T-Mobile, in den USA nur bei AT&T. Ein großer US-Netzbetreiber plant nun aber, bald einen wesentlich offeneren Ansatz zu fahren – und Gerätehersteller und Anwendungsentwickler auf der ganzen Welt schauen hin, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Grund für die vorsichtige Netzöffnung sind regulatorische Vorgaben. Im März zahlte Verizon Wireless, zweitgrößter US-Mobilfunkanbieter, insgesamt 9,63 Milliarden Dollar für das Recht, Frequenzen zu nutzen, die frei werden, sobald das analoge US-Fernsehen im Jahr 2009 abgeschaltet wird – der so genannte C-Block um 700 Megahertz. Die 108 Einzellizenzen, die Verizon erwarb, wurden unter der Bedingung erteilt, dass das Netzwerk für alle Geräte offen ist – und nicht nur für die eines einzelnen Mobilfunkanbieters.

Tony Lewis, Vizepräsident für den Bereich "Open Development" bei Verizon Wireless, sprach auf der Mobile Internet World in Boston im Oktober über die konkreten Pläne des Unternehmens. Das Vorhaben ist vergleichsweise ambitioniert für die Europa oft hinterherhinkende US-Mobilfunkbranche: Eine neue Generation von Geräten soll das Netz nutzen können. Klar ist aber auch, dass die Öffnung nur unter Verizons Bedingungen stattfinden wird – und jedes einzelne Stück Hardware zertifiziert werden muss.

Lewis erläuterte, dass Verizon ein eigenes System für die Genehmigung von Geräten Dritter entwickeln werde, das parallel zu den eigenen Prozessen arbeiten soll. Neben den üblichen Handys erwartet der Verizon-Manager eine "Explosion von Geräten", die das Mobilnetz nutzen könnten – von der Industriemaschine bis zum Haushaltsgerät. Das soll neue Märkte über den Mobiltelefonsektor hinaus erschließen, der auch in den USA weitgehend gesättigt ist. "Es geht darum, alles mit dem Netz zu verbinden, was möglich ist", meint Lewis. Vorstellbar seien beispielsweise Gesundheitsmonitore, die überwachten, ob ein älterer Patient seine Medizin zu den vorgeschriebenen Zeiten einnimmt und Familienmitglieder alarmiert, wenn das nicht der Fall ist. Haushaltsgeräte könnten automatisch einen Reparaturdienst anfordern, wenn wichtige Teile ausfallen. Auch der "intelligente Kühlschrank", der Nachschub bestellt, sobald einmal wichtige Nahrungsmittel ausgehen, sei denkbar.

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(bsc)