Neuer Premiere-Chef legt ersten Quartalsbericht vor

Nach dem Ausfegen von rund einer Million Karteileichen beim Münchner Pay-TV-Sender Premiere hat Mark Williams heute die Zahlen für das dritte Quartal präsentiert. Unter dem Strich steht ein Fehlbetrag von über 89 Millionen Euro.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Der Münchner Pay-TV-Sender Premiere weist für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2008 einen Fehlbetrag von über 89 Millionen Euro aus. Das Unternehmen, das seit zwei Monaten von der News Corporation in Person von Mark Williams geführt wird, der inzwischen fast alle Schlüsselpositionen durch Manager aus dem Medienimperium von Rupert Murdoch besetzt hat, macht dafür insbesondere höhere operative Kosten für Übertragung, Hardware und Vertrieb verantwortlich, die gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres um 49,2 Millionen auf 271,8 Millionen Euro gestiegen sind (PDF-Datei).

Der Umsatz sank im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,9 Prozent auf 244,6 Millionen Euro, was zu einem EBITDA-Ergebnis von minus 27,2 Millionen Euro führt. Als Folge der Neuberechnung der Kundenzahl, die Anfang Oktober zum Ausfegen von rund einer Million Karteileichen geführt hatte, verbucht Premiere 12,2 Millionen Euro als Abschreibung auf den Abonnentenstamm. Weitere 13,2 Millionen Euro werden als sonstige Abschreibungen in der Quartalsbilanz aufgeführt. Zuzüglich der 16,3 Millionen Euro aus dem negativen Finanzergebnis und Steuern in Höhe von 20,2 Millionen Euro steht unter dem Strich ein Minus von 89,1 Millionen Euro.

In die Bilanz (PDF-Datei) flossen auch Sonderausgaben in Höhe von rund zwei Millionen Euro ein, die als Rückstellungen für Abfindungen an den früheren Vorstandsvorsitzenden Michael Börnicke (1,2 Millionen Euro) sowie Ex-Finanzvorstand Alexander Teschner und Ex-Marketing- und Vertriebsvorstand Oliver Kaltner (zusammen 829.000 Euro) verbucht wurden. Im Oktober hieß es aus Kreisen des Unternehmens, Premiere wolle wegen der frisierten Abonnentenzahlen juristisch gegen die Ex-Vorstände vorgehen und gegebenenfalls Schadenersatzansprüche geltend machen.

Aktuell kommt Premiere eigenen Angaben zufolge auf insgesamt 2,411 Millionen direkte Abonnenten, die sich zusammensetzen aus 2,293 Millionen Abonnenten, die mindestens ein Premiere-Programmpaket abonniert haben, und 118.000 Abonnenten, die Pay-Per-View und andere Pre-Paid-Leistungen aus dem Premiere-Flex-Angebot beziehen. Die 2,293 Millionen Abonnenten setzen sich aus Privathaushalten, Sportsbars und Hoteldienstleistungen zusammen. Der monatliche ARPU (Durchschnittsumsatz pro Kunde) beläuft sich auf knapp 24 Euro.

Für das Gesamtjahr erwartet Premiere-CEO Williams einen Gesamtumsatz von 1,015 Milliarden Euro, was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 3 Prozent entsprechen würde. Beim EBITDA-Ergebnis geht Williams, der beim Pay-TV-Sender derzeit auch die Verantwortung für den Finanzbereich trägt, von einem Verlust zwischen 40 und 60 Millionen Euro aus. Hoffnung setzt der frühere Finanzvorstand für Europa und Asien bei der News Corporation vor allem auf das Weihnachtsgeschäft und die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga, die derzeit neu ausgeschrieben werden. Korrekturen gibt es beim Vertriebsmodell, das stärker auf länger laufende Abos ausgerichtet werden soll. (pmz)