Nokias düstere Aussichten
Der finnische Weltmarktführer senkt angesichts weltweiter Konsumzurückhaltung seine Erwartungen an die Marktentwicklung und rechnet mit negativen Auswirkungen auf die Geschäftslage bis ins Jahr 2009.
Vor Monatsfrist war Nokia trotz eines deutlich spürbaren Gewinnrückgangs noch optimistisch, die formulierten Jahresziele halten zu können. Von solcher Zuversicht ist jetzt nicht mehr viel zu spüren. Der finnische Mobilfunkkonzern senkte am heutigen Freitag seine Erwartungen für das vierte Quartal und das kommende Geschäftsjahr und kündigte weitere Sparmaßnahmen an.
In den vergangenen Wochen hätten die weltweite Wirtschaftsflaute und bisher beispiellose Währungsschwankungen zu einem drastischen Konsumrückgang geführt, von dem auch die Handyhersteller betroffen seien. Darüber hinaus schwäche die Kreditkrise die Einkaufsmöglichkeiten einiger Großhandelskunden, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns vom Freitag.
Augrund dieser Einflüsse korrigiert Nokia seine Prognose für den weltweiten Handymarkt. Industrieweit würden im vierten Quartal zwar noch 330 Millionen Handys verkauft und damit mehr als im Vorquartal, doch liege der für das Gesamtjahr zu erwartende Absatz nur noch bei 1,24 Milliarden Stück. Zuvor war Nokia von 1,26 Milliarden Handys ausgegangen.
Die Finnen rechnen zwar weiterhin mit einem stabilen Marktanteil, der im dritten Quartal 2008 mit 38 Prozent angegeben wurde. Dennoch sei zu erwarten, dass sich diese Entwicklung negativ auf Umsatz und Ergebnis des Konzerns auswirke, hieß es weiter. Der Kurs der Nokia-Aktie fiel nach der Ankündigung um 7 Prozent auf 9,56 Euro, der tiefste Stand seit 2004.
Auch für 2009 sei keine Besserung in Sicht, prognostiziert der Konzern. Im kommenden Jahr werde der weltweite Handymarkt erstmals seit Jahren wieder schrumpfen. Das werde auf den Infrastrukturmarkt durchschlagen, dessen Umsatzvolumen im Vergleich zu 2008 sinken dürfte. Die Finnen sind mit dem Joint-Venture Nokia Siemens Networks (NSN) auch im Ausrüstergeschäft aktiv.
Über die bereits angekündigten Sparmaßnahmen bei Nokia und NSN hinaus will der Konzern die operativen Kosten auch 2009 weiter senken. Dafür seien bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen worden. Zudem soll der Einsatz externer Berater und Auftragnehmer begrenzt werden. Details sollen Anfang Dezember bekannt gegeben werden.
Nokia hatte im Oktober einen Gewinneinbruch von gut 30 Prozent bekannt gegeben. Das Unternehmen hatte bereits zu Jahresbeginn eine tiefgreifende Restrukturierung angekündigt, der das Bochumer Handywerk mit 2300 Mitarbeitern zum Opfer fiel. Zuletzt hatte der Konzern Anfang November "organisatorische Maßnahmen" ergriffen, von denen 600 Arbeitsplätze betroffen sind.
Bei Nokia Siemens Networks werden nach einem massiven Stellenabbau während der vergangenen anderthalb Jahre bis Oktober 2009 weitere 500 Arbeitsplätze in Deutschland sowie 750 in Finnland gestrichen. (vbr)