Meinung: Warum Teslas in China wenig bringen

Weil China so sehr vom Kohlestrom abhängt, sind Elektrofahrzeuge im Vergleich zu Benzinern nur eine geringe Verbesserung für die Umwelt.

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Von
  • Mike Orcutt

Weil China so sehr vom Kohlestrom abhängt, sind Elektrofahrzeuge im Vergleich zu Benzinern nur eine geringe Verbesserung.

Noch sind die Verkäufe von Elektroautos in China extrem niedrig – obwohl die Regierung mit Hilfe von Subventionen versucht, bis zum Jahr 2020 fünf Millionen Stromer auf die Straßen zu bringen. Der US-Elektrospezialist Tesla Motors ist nun auch dabei: In diesem Monat gehen die ersten Neufahrzeuge der Limousine Model S an chinesische Kunden.

Doch wie hilfreich sind Elektrofahrzeuge in China überhaupt? Verschiedene aktuelle Studien zeigen: erstaunlich wenig. Zwar lassen sich mit mehr Stromern die Regierungsziele schneller erreichen. Doch die Umweltverschmutzung verringert das in den nächsten Jahren kaum. 70 Prozent der Elektrizität werden in China nach wie vor aus Kohle gewonnen. Und noch schlimmer: Die entsprechenden Kraftwerke sind wesentlich schmutziger als die im Westen, weil vielen der Anlagen moderne Emissionsschutzmaßnahmen fehlen.

Eine neue Untersuchung von Christopher Cherry, Professor für Umweltingenieurwesen an der University of Tennessee, legt nahe, dass in großen Teilen Chinas ein Elektroauto von der Größe eines Nissan Leaf für ungefähr die gleiche CO2-Menge sorgt wie ein vergleichbares Benzinauto. Hinzu kommt, dass Elektroautos aufgrund des Kohlestroms in dem Riesenreich erstaunlicherweise auch für mehr gefährliche Feinstaubemissionen verantwortlich wären als konventionelle Fahrzeuge.

Natürlich gibt es auch Regionen in China, in denen die Stromproduktion etwas sauberer ist. Während der Norden des Landes nahezu vollständig von der Kohleverstromung abhängig ist, wird ein Viertel bis ein Drittel der Energie in Zentral- und Südchina von großen Wasserkraftwerken erzeugt.

Wie dem folgenden Diagramm aus der Zeitschrift Energy Policy zu entnehmen ist, ist der mit Elektrofahrzeugen verbundene CO2-Ausstoß in Nordchina besonders hoch. Doch auch in Zentralchina liegt er noch bei deutlich über 200 Gramm pro Meile. Berechnet wurde dies anhand eines E-Autos mit der Batterie und dem Gewicht eines Nissan Leaf. Die blaue Linie zeigt eine ähnliche Schätzung auf Basis der Emissionen eines durchschnittlichen Benziners in China (400 Gramm CO2 pro Meile).

Nicht, dass Elektrofahrzeuge ganz schlecht wären für China. Sie könnten die Luft in den Städten verbessern, von denen viele unter Dauersmog leiden. Viel davon kommt in Form von Feinstaub aus Diesel- und Benzinmotoren. Elektrofahrzeuge arbeiten – zumindest am Einsatzort – emissionsfrei.

Doch dieser Fortschritt könnte hohe Kosten für die Umwelt haben, in Form stärkerer Emissionen insbesondere in ländlichen Gebieten, wo die meisten Kraftwerke stehen. Weil die Kohleverbrennung viel mehr Feinstaub freisetzt als die Benzinverbrennung, fanden Umweltingenieur Cherry und seine Kollegen heraus, dass ein Elektroauto mit bis zu 19 Mal so viel Feinstaub in Verbindung steht wie ein vergleichbarer Benziner.

Die chinesische Regierung will die Kohlekraftwerke in den kommenden Jahren mehr und mehr durch Atomanlagen ersetzen und verfolgt einen recht aggressiven Kurs beim Ausbau der Erneuerbaren. Doch aktuelle Vorhersagen sprechen davon, dass auch 2020 die Kohle noch immer einen Anteil von bis zu 60 Prozent haben wird. Das heißt: Unter chinesischen Verhältnissen bleiben Elektroautos erstaunlich dreckig. ()