Google sammelt Argumente gegen Monopol-Vorwürfe

Die Verbraucherschutzorganisation Consumer Watchdog hat den Kartellwächtern des US-Justizministeriums eine interne Google-Präsentation übergeben, in der sich der Konzern gegen Monopol-Vorwürfe wappnet.

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US-amerikanische Verbraucherschützer haben dem US-Justizministerium eine interne Präsentation (PDF-Datei) des Suchmaschinendienstleisters Google zugeschickt, in der er Argumente für die Diskussion um Monopol-Vorwürfe ausbreitet. Außerdem hat die Organisation Consumer Watchdog dem Ministerium ein mit Kommentaren versehenes Exemplar (PDF-Datei) der Präsentation zugeschickt, in denen einige Argumente auseinander genommen werden. Die Verbraucherschützer wollen so erreichen, dass die Kartellwächter des Ministeriums, die sich derzeit mit der Einigung zwischen Autoren und Verlegern mit Google über die Buchsuche befassen, vor den Argumenten des Konzerns gefeit sind.

Google versucht darzustellen, dass es zwar Marktführer bei Internet-Suchmaschinen ist, die Konkurrenz aber "nur einen Klick" entfernt sei. Beispiele wie Yahoo, Altavista und Lycos, die zu ihrer Zeit dominierend gewesen seien, zeigten, dass eine Vormachtstellung nicht von Dauer sein könne. Ein solches Schicksal könnte auch Google drohen. Auch habe sich gezeigt, dass Nutzer schnell andere Suchmaschinen besuchten, wenn der Google-Dienst fehlerhaft sei.

Die Verbraucherschützer meinen, Beispiele aus der Zeit des "Web 0.5" der 1990er Jahre könnten nicht mit der heutigen Situation verglichen werden. Auch widersprechen sie Google, das angibt, Unternehmen wie Microsoft, AT&T, IBM und Verizon erzielten einen wesentlich höheren Jahresumsatz. Als Microsoft 1993 vom US-Justizministerium beleuchtet worden sei, habe der Konzern jährlich 3,75 Milliarden US-Dollar umgesetzt und nicht wie derzeit 60 Milliarden.

Der Suchmaschinenkonzern hat sich nach eigenen Angaben Offenheit und Interoperabilität auf die Fahne geschrieben. Google unterstütze andere Unternehmen und erleichtere den Nutzern den Wechsel, zum Beispiel durch die Bereitstellung verschiedener Dateiformate in seinen Diensten. Die Verbraucherschützer kommentieren, Offenheit praktiziere Google lediglich auf Gebieten wie dem Mobilfunk bei der Entwicklung des Betriebssystems Android, auf denen der Konzern noch nicht dominiere. Für Werbetreibende beispielsweise sei die Abwicklung der Einnahmen nicht transparent. Auch hätten sie entgegen Googles Darstellung kaum eine Alternative zu den Diensten des Suchmaschinendienstleisters, da dieser den Markt beherrsche.

Consumer Watchdog, das die Google-Präsentation nach eigenen Angaben von einem Insider erhalten hat, will einer "Charme-Offensive" des Konzerns vorbeugen, damit die Kartellwächter nicht von den wahren Problemen abgelenkt werden, die durch Googles Dominanz auch für den Datenschutz entstünden. Der Konzern hatte sich im Oktober mit der Autoren-Organisation und dem Verlegerverband Association of American Publishers über den Online-Zugang zu urheberrechtlich geschützten Büchern und Texten geeinigt. Mit dieser ist beispielsweise das Internet Archive nicht einverstanden, da sie ein Monopol für Google bei so genannten verwaisten Werken begründen würde. Seit Ende April beschäftigt sich auch das US-Justizministerium mit dem Verfahren. Diese Woche hat Bundesjustizministerin Brigitte Zypries Google Urheberrechtsverstöße in großem Stil vorgeworfen. (anw)