Alufelgen verlieren Festigkeit beim thermischen Entlacken

Thermische Entlackung von Alufelgen geht auf Kosten der Sicherheit. Das haben Experten des TÜV SÜD Automotive bestĂ€tigt. Demnach verlieren die RĂ€der nahezu 40 Prozent an MaterialhĂ€rte

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Von
  • Ronald Partsch

Thermische Entlackung von Alufelgen geht auf Kosten der Sicherheit. Das haben Experten des TÜV SÜD Automotive mit ausfĂŒhrlichen Tests bestĂ€tigt. Demnach verlieren die RĂ€der durch die Hitzebehandlung nahezu 40 Prozent an MaterialhĂ€rte und bĂŒĂŸen bis zu 90 Prozent ihrer Lebensdauer ein.

Die Reparatur von Kratzern und AusbrĂŒchen an Alufelgen wird mittlerweile von vielen Felgenreparaturbetrieben angeboten. Versandschein im Internet ausgefĂŒllt und ab geht das Paket mit dem beim Randsteinzweikampf geschĂ€digten Alurad zum „Felgendoktor“. Vor einer Aufarbeitung und Neulackierung muss zuerst der alte Lack runter. Das geschieht entweder in einem thermischen oder einem chemischen Verfahren.

Gebrauchte Alufelgen vor der Entlackung und der Wiederaufarbeitung

(Bild: Felgendoktor Hamm)

Der TÜV SÜD Automotive prĂŒfte in verschiedenen Testreihen die Festigkeit von Alufelgen, die wie beim thermischen Entlacken mit 200° bis 300° Celsius erhitzt wurden. Als PrĂŒflinge kamen LeichtmetallrĂ€der in ErstausrĂŒsterausfĂŒhrung aus dem wĂ€rmebehandelten Werkstoff (GK-Al-Si7-Mg T6) zum Einsatz, aus dem heute der ĂŒberwiegende Teil der Pkw-Alufelgen besteht. Dabei zeigte sich, dass nach drei Stunden bereits bei 200 Grad Celsius ein HĂ€rteabfall von fĂŒnf Prozent messbar war. Bei noch höheren Temperaturen fĂ€llt der HĂ€rtegrad enorm ab: bei 250 Grad Celsius nach drei Stunden bĂŒĂŸt das Rad bereits 40 Prozent seiner StabilitĂ€t ein. Auch kĂŒrzere WĂ€rmeeinwirkung verbessert das Verfahren nicht: „Bereits nach 30 Minuten bei 250 Grad Celsius fĂ€llt die HĂ€rte um 25 Prozent ab“, sagt Stefan Dittmar, Teamleiter „RĂ€der“ beim TÜV SÜD Automotive.

Mit der HĂ€rte schwindet die Lebensdauer. Nach der Hitzekur kamen die Probanden zur BiegeumlaufprĂŒfung. Dabei stellte sich heraus, dass die thermische Behandlung die Haltbarkeit der Felgen um bis zu 90 Prozent verringert und die gesetzlichen Mindestanforderungen (§36 StVZO/ECE-R 124) danach nicht mehr erfĂŒllt werden: „Die Erhitzung geht auf Kosten der Sicherheit im Straßenverkehr. So behandelte RĂ€der können Risse bekommen oder Speichen sogar brechen“, warnt RĂ€der-Experte Dittmar. ()