Schwarzweißgernseher

SUV, Limousinen, Roadster und Sportwagen – unterschiedlichste Autotypen bevölkern die Straßen. Doch wird unsere Autowelt nur formal immer bunter. Was die Farben angeht, bleiben wir Schwarzweißgernseher

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Schwarzweißgernseher
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Von
  • Jürgen Wolff
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München, 22. Mai 2014 – SUV, Limousinen, Roadster und Sportwagen – unterschiedlichste Autotypen bevölkern die Straßen. Doch wird unsere Autowelt nur formal immer bunter. Was die Farben angeht, bleiben wir Schwarzweißgernseher.

Apple ist an allem schuld. Nachdem Weiß als Autolack seit Ende der 1980er Jahre so was von out war, holt die eigentliche Nicht-Farbe seit Jahren wieder rasant auf. Weltweit gesehen wurden im vergangenen Jahr laut einer Erhebung des amerikanischen Autolackherstellers Axalta die meisten Autos in Weiß geordert: 22 Prozent in Uniweiß, sieben Prozent in Perlweiß. Axalta erfasst seit 1953 jedes Jahr die populärsten Autofarben weltweit. Deutschland leuchtet noch nicht ganz so hervor – hier lieben es die meisten nach wie vor dunkel und grau. Nach den Zahlen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) stand 2013 wieder Schwarz ganz vorne bei den Neuzulassungen in Deutschland, mit 28,4 Prozent. Dicht dahinter folgen Silber und Grau mit zusammen 27,9 Prozent. Der Rückzug der Grauen ist dabei rasant: Vor zehn Jahren wurde noch beinahe jedes zweite Auto in Silber/grau ausgeliefert.

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„Die Designer-Seele erfreut sich auch an einem tollen Grau“, beruhigt Mark Gutjahr, Design-Chef Europe bei BASF Coatings. (Bild: BASF)

Noch rapider drängt Weiß nach vorne: 2006 standen nicht einmal zwei Prozent der neu zugelassenen Autos in weißem Lack – mittlerweile sind es wieder fast 18 Prozent. Zuerst entdeckten die Autokäufer in Nordamerika das neutrale Weiß wieder, dann sprang der Trend nach Asien über. Und nun ist er auch in Europa angekommen. Autoexperten vermuten hinter der weißen Welle nicht zuletzt den „Apple-Effekt“. So verkaufte die Apfelmarke ihre Smartphones und Musikplayer anfangs überwiegend in Weiß – und sorgte so dafür, dass Weiß unisono für cooles Design und technischen Fortschritt steht. Die Autoindustrie tut das Ihre, diesen Trend zu verstärken. Auf den Automessen stehen die Schaustücke immer häufiger in gleißendem Weiß aufgereiht und durch die doppelseitigen Zeitschriftenanzeigen rollen die neuesten Modelle ganz in Weiß.

Daran, dass neutrale Farben wie Weiß, Schwarz, Grau und Silber rund drei Viertel des globalen Automarktes abdecken, ist aber nicht zuletzt auch der große Anteil der Geschäftsautos schuld. Sie müssen seriös daher kommen, gediegen und edel, wie es diese Farbtöne suggerieren. Die Kunden haben meist schon beim Neuwagenkauf den Wiederverkaufswert im Auge – nicht nur subjektiv eine wichtige Zielgröße. Auch die Statistiken der gängigen Gebrauchtwagenportale zeigen, dass Autos in neutralen Farben die besseren Erlöse bringen. Rot oder Blau drückt vor allem bei größeren Modellen den Preis und Ausgefallenes wie Türkis oder Lila macht selbst einen Porsche nahezu unverkäuflich.