Werkstätten fürchten Nachteile durch Notrufsystem eCall
Das von der EU geplante automatische Notrufsystem für Autos eCall könnte nach Einschätzung des Zentralverbands Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) zu einem erheblichen Wandel in der Branche führen
Das von der EU geplante automatische Notrufsystem für Autos eCall könnte nach Einschätzung des Zentralverbands Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) zu einem erheblichen Wandel in der Branche führen.
(Bild: Meliha Sarper, ACE)
Künftig werde ein Autohersteller alle fahrzeugbezogenen Daten auch nach einem Unfall bekommen und entsprechend eingreifen können, sagte der Hauptgeschäftsführer des ZKF, Klaus Weichtmann, am Freitag beim Bundesverbandstag in Rostock. Die freien Betriebe im Karosseriehandwerk befürchten, dass die Hersteller einen Unfallfahrer in die eigenen Vertragswerkstätten lenken werden, freie Werkstätten blieben außen vor. „Der Hersteller weiß künftig alles über das Fahrzeug.“
Laut EU muss ab Oktober 2015 in alle neuen Autos das eCall-System eingebaut werden. Nach einem Unfall geht automatisch ein Ruf an die nächste Rettungsleitstelle. Von dort wird versucht, den Fahrer des Autos zu erreichen. „Meldet er sich nicht, wird automatisch die Rettungskette ausgelöst“, sagte Weichtmann. Europaweit könnten nach Einschätzung der EU-Kommission bis zu 2500 Menschenleben pro Jahr gerettet werden. Nicht nur der ZKF ist besorgt wegen eCall. Auch der Deutsche Anwaltverein hatte schon vor dem „gläsernen Autofahrer“ gewarnt. Spätestens bis zum 1. Oktober 2017 sollen alle Rettungsleitstellen in Europa für eCall ausgerüstet sein.
Allerdings werden nach derzeitiger Rechtslage die Daten auch beim Hersteller landen, sagte Weichtmann. Dies könne nicht nur zum Nachteil der Autofahrer, sondern auch der Versicherer sein. Nach Erkenntnissen des Verbands liegt der Stundensatz einer Vertragswerkstatt etwa im Rhein-Main-Gebiet bei 140 Euro, bei einem ZKF-Fachbetrieb lediglich bei 85 Euro. Nach Weichtmanns Worten gibt es deutschlandweit rund 5000 Fachbetriebe für Karosserie- und Fahrzeugtechnik, sie beschäftigen gut 50.000 Mitarbeiter. Die Branche lebe zum großen Teil von den Reparaturen nach Unfällen.
(dpa) (fpi)