Chinesen müssen sparen
Ein Turbomotor in einem Ferrari? Das hat’s schon lang nicht mehr gegeben. Seit dem legendären F40 hat in einem Ferrari kein Lader mehr gefaucht, doch der Neue kann Vieles besser. Außerdem macht er Spaß und klingt gut
- Stefan Grundhoff
Maranello, 3. Juni 2014 – Ein Turbomotor in einem Ferrari? Das hat’s schon lang nicht mehr gegeben. Doch der aufgeladene California T bläst alle Zweifel weg, er macht Spaß und klingt gut.
Schwierige Zeiten für die Entwickler von Sportwagenfirmen. Immer strenger werdende Abgasvorschriften zwingen selbst Kleinhersteller wie Maserati oder Ferrari zu technischen Klimmzügen und zur Abkehr vom Gewohnten. Der überarbeitete Ferrari California mit dem Kürzel T für Turbo bekam neben kleineren optischen Retuschen einen komplett neu entwickelten Motor.
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(Bild: press-inform (alle))
Letzter Ferrari mit Turbolader: F40
Seit dem legendären F40 (1987-1992) hat in einem Ferrari kein Lader mehr gefaucht, doch der Neue kann Vieles besser als sein Vorgänger mit Saugmotor: Mehr Leistung, größeres maximales Drehmoment, geringeren Verbrauch und: er klingt bassiger. „Neben dem Ansprechverhalten war der Klang des Triebwerks ein zentraler Punkt der Neuentwicklung“, erklärt Vittorio Dini, verantwortlich für den Antrieb, „hieran werden wir gemessen.“ Der neue Motor ist außerdem kleiner und flacher. Er ermöglicht eine zwei Zentimeter tiefere Einbaulage was einen Vorteil für die Agilität bringt.
Bereits die Papierwerte deuten an, dass der Turbogetriebene flott sein muss. Statt des 4,3 Liter großen V8-Saug-Benziners mit 490 PS brüllen im California T ab Herbst 560 PS aus einem 3,9-Liter-V8-Turbomotor. 0 auf Tempo 100 in 3,6 – bis 200 km/h in 11,2 Sekunden und das bei einem Normverbrauch von 10,5 Litern. Schon beim Starten des Direkteinspritzers klingt es, wie rohe Gewalt nun mal klingt, wer über 6000 Touren unterwegs ist, dirigiert mit dem rechten Fuß ein volumenreiches Orchester. Der kleine Turbo klingt bassiger und tiefer als der Saugmotor, der bis 8000 Touren drehte.
Auf der Straße gefällt mir der California T besser als der bisherige. Der über 1,7 Tonnen schwere Roadster bietet eine gute Mischung aus Sportlichkeit und Restkomfort. Er bewegt sich im Kurvengeschlängel nicht so filigran und kapriziös wie ein 458er. Kein Wunder, dass sich die Baureihe California seit 2009 zum erfolgreichsten Ferrari-Modell aller Zeiten entwickelt hat. „70 Prozent aller Käufer sind Erstkunden bei Ferrari“, erläutert Produktmanager Nicola Boarini. Der 4,57 Meter lange California T bewegt sich zwischen zwei Welten. Bietet mit 316 km/h Höchstgeschwindigkeit und 755 Nm maximalem Drehmoment spektakuläre Leistungsdaten und hat optisch ein vergleichsweise zurückhaltendes Auftreten.
Chinesen müssen sparen
Auch wenn Ferraris grundsätzlich als Firmenwagen zugelassen sind und der Preis ohnehin keine Rolle spielt, nur als Nebeninfo: er kostet 183.499 Euro. Leute die bei diesem Preis kritisieren, dass sich das elektrische Klappdach ausschließlich im Stand öffnen und schließen lässt oder die Heckklappe nicht elektrisch geöffnet werden kann, haben ganz einfach das Prinzip Sportwagen nicht verstanden. Ganz zum Schluss erklärt mir Produktmanager Nicola Boarini noch, dass China einer der wichtigsten Märkte für Ferrari geworden ist, was durchaus einen Einfluss auf die Motorenentwicklung hatte: „Aufgrund des Hubraums von unter vier Litern kann der Ferrari California T jetzt in China um 40 Prozent günstiger angeboten werden, weil die Strafsteuer für große Motoren wegfällt“, strahlt Boarini.