Lenksportaufgabe

Eine der wichtigsten Schnittstellen zwischen Auto und Fahrer ist die Lenkung. In den letzten Jahren kommen immer häufiger Lenkungen mit variabler Übersetzung zum Einsatz. Da klingt es also nicht nach einer großen Meldung, wenn Ford das nun auch tut

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Lenksportaufgabe
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Köln, 10. Juni 2014 – Es gibt Pressemitteilungen, die normalerweise in der Rundablage landen. Diese hier zum Beispiel: „Ford baut eine adaptive Lenkung“. Dass sie es dennoch hierher geschafft hat, verdankt sie einer fast schon versteckten Zusatzinformation, die uns diese Meldung dann doch gerne wert war.

Eine der wichtigsten Schnittstellen zwischen Auto und Fahrer und damit eine der größten Einflussfaktoren auf das Fahrgefühl ist die Lenkung. Ihre Fähigkeit zur Rückmeldung beispielsweise entscheidet maßgeblich über den Fahrspaß. Aber auch die Übersetzung zwischen Lenkrad und Rädern muss stimmen und ist vor allem abhängig vom Einsatzzweck des Autos. Die Lenkung eines Geländewagens ist grundsätzlich anders übersetzt als die eines Sportwagens.

Lenksportaufgabe (3 Bilder)

Die Bestandteile der adaptiven Lenkung finden im Lenkrad Platz. Vorteil dieser Lösung ist, dass Ford (und auch andere Kunden von Takata) ihre Produkte nun beliebig nachrüsten können, ohne aufwendie die Konstruktion ändern zu müssen.
(Bild: Ford (alle))

Damit sich jedes beliebige Auto auf der Autobahn spurtreu anfühlt, aber handlich im Stadtverkehr und leicht beim Einparken, kommen in den letzten Jahren immer häufiger Lenkungen mit variabler Übersetzung zum Einsatz. Da klingt es also nicht nach einer großen Meldung, wenn Ford das nun auch tut.

Ist es aber, weil die variable Übersetzung nun im Lenkrad selbst integriert ist. Während die Überlagerungsgetriebe bisher unten an der Zahnstange oder an der Lenksäule unterhalb der Lenkradnabe saßen und die Drehbewegung der Lenksäule verschieden stark in eine Verschiebung dieser Stange umsetzten, haben sie nun findige Ingenieure des japanischen Zulieferers Takata in die Lenkradnabe verlagert. Was sie dazu benötigen, ist wenig: Ein Schneckengetriebe im Übersetzungsverhältnis 48:1, einen Elektromotor, zwei Kugellager und eine Platine mit Elektronik. Alles passt in den Pralltopf und darüber sogar noch der Airbag. Damit kann jede bereits fertig entwickelte Lenkung, also auch jedes bereits in Produktion befindliche Auto vom Hersteller einfach nachgerüstet werden.

Die Elektronik misst den Lenkwinkel und weiß bescheid über die in diesem Moment gefahrene Geschwindigkeit. Diese Informationen versetzen sie in die Lage, mithilfe der Mechanik die Lenkübersetzung situationsgerecht zwischen direkt (in einem Ford Fusion bedeutet das zwei Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag) bis indirekt (entsprechend 2,6 Umdrehungen) zu variieren.

Ford sagt: „Das innovative Lenksystem wird ab Anfang nächsten Jahres für Ford-Serienfahrzeuge verfügbar sein“. Dank seiner einfachen Nachrüstung soll es zwar eigentlich in alle Fords passen, in welchem es erscheinen wird, ist aber noch ein Geheimnis. (fpi)